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Wo sind die Versorgungslücken bei Asthma und COPD?

Eine von uns durchgeführte Umfrage zur Versorgungssituation bei der Behandlung von Patient:innen mit Asthma und COPD zeigt ein interessantes Bild. Die Ergebnisse sind unzufriedenstellend: Trotzdem die Grundversorgung als solide eingestuft wird, bestehen auffällige Versorgungslücken. Hohe Ambulanzfrequenz im Krankenhaus innerhalb von 12 Monaten, anhaltender Bedarf an Notfallmedikation und starke Nutzung von Wahlärzt:innen weisen auf strukturellen Verbesserungsbedarf hin. (Es wurde eine 4-stufige Skalierung verwendet, bei der „sehr zufrieden“ im Bereich von 76–100%-iger Zufriedenheit liegt; „eher zufrieden“ im Bereich einer 51–75%-igen Zufriedenheit.)

Asthma und COPD zählen zu den häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen und stellen eine erhebliche gesundheitspolitische Herausforderung dar. Umso wichtiger ist eine optimale Versorgung der Betroffenen. Diese wird von Menschen mit Asthma und COPD in Österreich grundsätzlich positiv bewertet. Dennoch zeigt eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Lungenunion (ÖLU) deutliche Hinweise auf strukturelle Schwächen im Versorgungssystem. Besonders auffällig sind die hohe Inanspruchnahme von Krankenhausambulanzen, der weiterhin beträchtliche Bedarf an Notfallmedikation sowie die überdurchschnittliche Nutzung von Wahlarztstrukturen. Die Daten legen nahe, dass trotz grundsätzlich funktionierender Versorgung bei vielen Patient:innen keine optimale Krankheitskontrolle erreicht wird.

Zwar bewerten 43,7 Prozent der Befragten die medizinische Gesamtversorgung als „sehr zufrieden“, was auf der verwendeten vierstufigen Skala einer Zufriedenheit zwischen 76 und 100 Prozent entspricht. Weitere 49,2 Prozent geben an, „eher zufrieden“ zu sein, was einem Bereich zwischen 51 und 75 Prozent entspricht. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch auch, dass mehr als jede zweite betroffene Person keine Spitzenbewertung vergibt. Gerade bei chronischen Erkrankungen mit dauerhaftem Betreuungsbedarf deutet dies auf relevantes Optimierungspotenzial hin.

Besonders kritisch ist die weiterhin hohe Inanspruchnahme akuter Versorgungsstrukturen. So mussten 35 Prozent der Befragten innerhalb der letzten zwölf Monate eine Krankenhausambulanz aufsuchen, 19,7 Prozent hatten im selben Zeitraum sogar einen Krankenhausaufenthalt. Bei COPD-Betroffenen lag der Anteil der Krankenhausaufenthalte mit 27,5 Prozent noch deutlich höher. Diese Zahlen sprechen für eine erhebliche Krankheitslast und deuten darauf hin, dass viele Patient:innen in der niedergelassenen Versorgung nicht ausreichend stabilisiert werden.

Ein weiterer zentraler Befund der Umfrage betrifft die Notfallmedikation. Trotz laufender Dauertherapie berichtet nur ein Drittel der Betroffenen über eine deutliche Reduzierung der Notfallmedikation. Dies deutet darauf hin, dass bei einem relevanten Teil der Patient:innen die aktuelle Therapie keine ausreichende Symptomkontrolle ermöglicht.

Darüber hinaus zeigt die Umfrage eine relevante Verschiebung in Richtung privater Versorgung. 21,7 Prozent der Befragten werden ausschließlich von Wahlärzt:innen betreut, weitere 6,1 Prozent nutzen sowohl Kassen- als auch Wahlarztversorgung. Besonders auffällig ist dies bei COPD-Patient:innen, von denen 30 Prozent ausschließlich im Wahlarztbereich versorgt werden. Diese Entwicklung wirft Fragen hinsichtlich Zugänglichkeit, Terminverfügbarkeit und Spezialisierung innerhalb des öffentlichen Versorgungssystems auf.

Auch das sogenannte Shared Decision Making, also die gemeinsame Therapieentscheidung zwischen Ärzt:innen und Patient:innen, scheint noch nicht ausreichend etabliert zu sein. Nur 40,8 Prozent der Befragten geben an, dass Therapieentscheidungen in ausreichendem Maß gemeinsam getroffen wurden. Mehr als die Hälfte beurteilt die gemeinsame Entscheidungsfindung somit als unzureichend. Dabei gilt die Einbindung von Patient:innen bei der Auswahl der Therapie mittlerweile als zentraler Qualitätsstandard moderner Versorgung.

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt, Generalsekretär der Österreichischen Lungenunion und tätig im Gesundheitszentrum Althietzing, betont, dass diese Analyse frühere Untersuchungen bestätigt. Bei Patient:innen mit Asthma oder COPD bestehe zwar häufig eine gute Basisbetreuung, die Versorgung sei insgesamt jedoch keineswegs optimal und Verbesserungsbedarf sei klar erkennbar. Auffällig sei insbesondere, dass häufig – bis zu 35 Prozent – eine Behandlung im Spital notwendig werde. Dabei müsse jedoch berücksichtigt werden, in welchen Krankheitsstadien sich die Patient:innen befinden und wie ausgeprägt ihre Therapietreue ist. Ebenso würden soziale Faktoren, Umwelteinflüsse, Prävention und Früherkennung das Gesamtbild der Versorgungssituation maßgeblich prägen. Abschließend betont Pohl, dass nicht nur die Ärzteschaft gefordert sei, sondern auch die Politik die Bereitschaft zeigen müsse, Veränderungen umzusetzen. Ziel müsse es sein, die Versorgung der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.

Umfrageergebnisse

Hier können Sie die Zusammenfassung der Umfrageergebnisse als Präsentation herunterladen:

Weiterführende Informationen:

https://www.lungenunion.at/c/atemwege-lunge/asthma/


Foto: Shutterstock

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