Atembeschwerden sind ein zentrales Symptom bei Post-COVID. Lungenspezialisten sind daher in der täglichen Praxis mit der Abklärung von Atemwegsbeschwerden nach COVID-19 konfrontiert. Dabei sind Kurzatmigkeit und Husten – unabhängig davon, ob der Krankheitsverlauf schwer oder mild war – die häufigsten Probleme.

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) hat sich aus diesem Grund bereits sowohl in der deutschen S1 Leitlinie zu Long COVID/Post-COVID als auch in der von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) initiierten österreichischen S1 Leitlinie zu Long COVID eingebracht. „Nun ist der Abklärungspfad von respiratorischen Beschwerden nach COVID-19 abgesteckt, und es gibt ein klareres Bild zur Regeneration der Lunge nach schwerem Verlauf“, erläuterte ÖGP-Generalsekretärin a.o. Univ.-Prof. Dr. Judith Löffler-Ragg, eine der Leiterinnen und Leiter der Studien „CovILD“ und „Gesundheit nach COVID-19“ in Tirol. „Bis 30 % der Post-COVID-Betroffenen berichten von Kurzatmigkeit und Husten – unabhängig davon, ob der Krankheitsverlauf schwer oder mild war. Im Innsbrucker Kollektiv waren es nach zwölf Monaten 22 %, die noch an Kurzatmigkeit litten.“

Anhaltende Kurzatmigkeit muss immer abgeklärt werden

a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Judith Löffler-Ragg, ÖGP-Generalsekretärin

Das Symptom Kurzatmigkeit kann prinzipiell viele Ursachen haben. So können etwa Herz- und vorbestehende Lungenerkrankungen dazu führen. Kurzatmigkeit ist für die Betroffenen ein quälendes Symptom, das Angst erzeugen und die Lebensqualität massiv einschränken kann. Anhaltende Kurzatmigkeit muss immer abgeklärt werden, so Löffler-Ragg. Es es gelte auch Warnzeichen für Akuterkrankungen wie Lungenembolien sofort zu identifizieren und zu behandeln: „Nach Ausschluss einer strukturellen kardiopulmonalen Erkrankung kann nach einer COVID-Erkrankung eine dysfunktionale Atmung weiter abgeklärt werden. Hierbei können veränderte Atemmuster bei Belastung beschrieben werden, die noch schlecht verstanden sind.“

Löffler-Ragg betonte weiters die Wichtigkeit der Nachsorge und Rehabilitation, die beim oftmals langen Weg zurück eine wertvolle Unterstützung sind. Besonders jene Personen, die im Zuge ihrer COVID-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt werden mussten, benötigten eine lange multimodale Rehabilitation. „Eine Besserung von Atembeschwerden und Husten, mit Besserung der Atemmuskel- und Lungenfunktion sowie eine Steigerung von Funktionalität, Leistung und Lebensqualität konnten im Zuge der Rehabilitation eindeutig gezeigt werden.“, weiß die ÖGP-Generalsekretärin.

Reha mit Atemphysiotherapie & Atemtherapie, Bewegung, Ausdauer und Kraftraining

Individualisierte Atemphysiotherapie zur Stärkung der Atemmuskelkraft, Atemtherapie vor allem bei dysfunktionaler Atmung und Husten, Physio-, Bewegungstherapie, Ausdauer und Krafttraining werden Löffler-Ragg zufolge in der Reha eingesetzt. Hierbei gelte es, auf eine sehr individualisierte Dosierung zu achten, die die Belastungsgrenzen bei Betroffenen mit Belastungsintoleranz nicht überschreitet (Pacing), um eine Verschlechterung der Erschöpfung nach Belastung zu vermeiden. Unterstützt wird dies durch Edukation, Psychoedukation, neurokognitives Training und Ergotherapie. Besonders Maßnahmen zur Stärkung von Resilienz und Coping (Stressreduktion) sind wichtige, integrierte Ansatzpunkte. Die große Mehrheit der Post-COVID-Syndrom-Patienten profitiert bereits von einer mehrwöchigen Rehabilitation; für eine Subgruppe von Patienten ist eine fortwährende, kontinuierliche Rehabilitation wichtig.

Quelle: Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) von 29. Sept. bis 1. Oktober 2022 in Salzburg

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