Bei einer Informationsveranstaltung in Dornbirn gab Univ.-Prof. Ivan Tancevski, Univ.-Klinik für Innere Medizin II, Schwerpunkt Pneumologie in Innsbruck, einen umfassenden Überblick über die Volkskrankheit COPD – die Erkrankung, ihre Ursachen, Begleiterkrankungen und die moderne Therapie.

COPD ist mehr als nur eine Lungenerkrankung
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) wird häufig ausschließlich mit der Lunge in Verbindung gebracht. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine komplexe Erkrankung, die den gesamten Körper betreffen kann. Ein anschauliches Fallbeispiel zeigt dies deutlich: Ein Patient litt trotz moderner Biologika-Therapie weiterhin unter schwerer Atemnot. Erst eine genaue Untersuchung mittels CT ergab, dass die Ursache nicht primär in der Lunge lag, sondern in stark verkalkten Herzkranzgefäßen. Die Luftnot kam also vom Herzen und nicht von der COPD allein. Auch Beklemmungsgefühle können ein Hinweis auf Herzprobleme sein.
Gerade deshalb ist es wichtig, bei COPD-Patientinnen und -Patienten nicht nur die Lunge, sondern immer auch das Herz mit zu untersuchen. Risikofaktoren wie Nikotin und ungesunde Ernährung fördern sowohl Herz- als auch Lungenerkrankungen. Zusätzlich sollten auch andere Folgeerkrankungen wie Augenprobleme, diabetischer Fuß oder Nierenschäden rechtzeitig abgeklärt werden.
COPD weltweit – eine häufige und gefährliche Erkrankung
COPD gehört weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Schätzungsweise 5 bis 8 Prozent der Menschen über 50 Jahre haben eine diagnostizierte COPD. Insgesamt geht man davon aus, dass rund 10 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Dabei entsteht COPD nicht nur durch Rauchen, sondern auch durch Schadstoffe in der Luft und andere Umweltbelastungen.
Die Erkrankung zählt heute zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Sie liegt inzwischen auf Platz drei der Todesursachen – nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und ist zudem ein häufiger Grund für Aufenthalte in Notaufnahmen und Krankenhäusern.
COPD und Begleiterkrankungen
Viele Menschen mit COPD leiden zusätzlich an anderen Erkrankungen. Besonders häufig sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu zählen:
- Koronare Herzkrankheit und Herzschwäche (bis zu 40–50 %)
- Bluthochdruck (bis zu 40–50 %)
- Vorhofflimmern
- Schlaganfall
- Herzinfarkt
Darüber hinaus treten bei COPD häufiger Angstzustände, Depressionen, Infektionen, Knochenschwund (Osteoporose), Blutarmut (Anämie) und Herzschwäche auf. Auch deshalb ist eine ganzheitliche Betreuung besonders wichtig.
Ursachen der COPD
Die Ursachen für COPD sind vielfältig. Neben dem klassischen Risikofaktor Rauchen spielen auch genetische und entwicklungsbedingte Faktoren eine Rolle.
Zu den wichtigsten Ursachen zählen:
- genetische Veranlagung, z. B. Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
- Frühgeburt mit nicht vollständig entwickelter Lunge
- Umweltbelastungen und Schadstoffe
- Zigarettenrauch, E-Zigaretten und Vapes
- Asthma in der Kindheit
Typische Symptome
Die Beschwerden unterscheiden sich von Person zu Person. Häufig bestimmen die Symptome auch den jeweiligen COPD-Typ.
Typische Symptome sind:
- Atemnot (Dyspnoe), etwa bei 70 % der Betroffenen
- Husten und Auswurf, etwa bei 30 % der Betroffenen
Wichtig ist außerdem zu beachten, dass nicht jede Luftnot automatisch von der Lunge kommen muss. Auch eine Blutarmut (Anämie) kann Atemnot verursachen, wird jedoch oft nicht ausreichend untersucht.
Einteilung nach GOLD-Kriterien und Alltags-Einschränkungen
Die COPD wird häufig anhand der sogenannten GOLD-Kriterien eingeteilt. Dabei misst man mit einer Lungenfunktionsprüfung, wie stark die Bronchien verengt sind. Die Stadien reichen von GOLD 1 bis GOLD 4.
Allerdings bestimmt diese Einteilung nicht die Therapie. Therapie-entscheidend ist vor allem, wie stark die Krankheit den Alltag einschränkt. Entscheidend ist also, ob Betroffene noch Hausarbeit, Einkäufe, Spaziergänge oder Kochen bewältigen können.
Patientinnen und Patienten mit einer Alltagsbeeinträchtigung gehören zur sogenannten Gruppe B. Kommt zusätzlich eine Verschlechterung der Erkrankung (Exazerbation) hinzu, werden sie der Gruppe E zugeordnet. Bereits eine einzige Verschlechterung reicht heute aus, um in die Gruppe E zu kommen.
Was ist eine Exazerbation?
Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung der COPD. Dabei nehmen Husten, Auswurf und Atemnot deutlich zu.
Man unterscheidet:
- Moderate Exazerbation: Behandlung mit Antibiotika oder Kortison notwendig
- Schwere Exazerbation: Krankenhausaufnahme erforderlich
Frühe Warnzeichen sind:
- zunehmende Atemnot
- mehr Husten
- verstärkter Auswurf
Moderne Therapie der COPD
Die Behandlung richtet sich nach Symptomen und Verschlechterungsrisiko.
Dual-Therapie
Bei Atemnot wird meist eine Kombination aus zwei bronchienerweiternden Medikamenten eingesetzt:
- LABA (Long-Acting-Beta-Agonist)
- LAMA (Long-Acting-Muskarin-Antagonist)
Diese sogenannte Dualtherapie erweitert große und kleine Bronchien gleichzeitig.
Triple-Therapie
Bestehen zusätzlich Husten und Verschleimung oder kommt es trotz Dualtherapie zu Verschlechterungen, wird ein inhalatives Kortison (ICS) ergänzt:
- LABA + LAMA + ICS
Das inhalative Kortison wirkt lokal in den Bronchien, reduziert Schwellung und Entzündung und ist bei richtiger Dosierung und Anwendung unbedenklich.
Speziell bei dieser Form der COPD kann durch eine Triple-Therapie ein Wiederauftreten einer weiteren Exazerbation stark verzögert und im weiteren Verlauf auch die Sterblichkeit deutlich gesenkt werden (relative Risikoreduktion in Studien bis zu rund 40 % bei entsprechend ausgewählten Patientinnen und Patienten).
Biologika
Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen kommt es trotz Triple-Therapie weiterhin zu Exazerbationen. In diesen Fällen kann eine Antikörpertherapie mit Biologika helfen – allerdings nur bei erhöhten Eosinophilenwerten. Diese Therapie reduziert Schleimbildung, Entzündung und Auswurf.
Maßnahmen, die nachweislich das Überleben verbessern
Folgende Maßnahmen verbessern nachweislich Prognose und Überleben:
- konsequenter Rauchstopp
- Rehabilitation, besonders nach einem Krankenhausaufenthalt
- Sauerstofftherapie bei stark erniedrigtem Sauerstoffwert
- regelmäßiges Muskeltraining und Atemübungen
Bedeutung richtiger Inhalation
Die korrekte Anwendung von Inhalationsgeräten ist entscheidend. Durch eine Vorschaltkammer kann die tatsächlich eingeatmete Medikamentenmenge von etwa 10 auf 40 Prozent gesteigert werden. Dadurch wirkt das Medikament besser und es wird weniger verschluckt, was Nebenwirkungen reduziert.
Gefährliche Folgen einer schweren Verschlechterung
Nach einer schweren COPD-Verschlechterung mit Krankenhausaufenthalt steigt das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzversagen oder Vorhofflimmern massiv an. Verglichen mit stabilen Phasen ohne Verschlechterung ist das Risiko:
- innerhalb von 7 Tagen: bis zu 24-fach erhöht
- innerhalb von 365 Tagen: noch immer etwa doppelt so hoch
Deshalb ist eine gute Weiterbehandlung nach der Entlassung besonders wichtig – idealerweise mit Triple-Therapie und einer Nachkontrolle beim Lungenfacharzt innerhalb von vier Wochen.
Hohe Rückfallquote nach Krankenhausaufenthalt
Leider müssen 44 Prozent der COPD-Patientinnen und -Patienten innerhalb von 90 Tagen erneut wegen einer Verschlechterung ins Krankenhaus. Dies zeigt, wie wichtig eine gute ambulante Nachbetreuung ist.
Zusammenhang zwischen Lunge und Herz
Daten zeigen deutlich, dass Herz und Lunge eng miteinander verbunden sind. Bei schwerster COPD (GOLD 4) sterben viele Betroffene an Lungenversagen oder Lungenkrebs. Bei mittelschwerer COPD (GOLD 2) sind dagegen Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche besonders häufige Todesursachen (bis zu 30 %).
Schlussfolgerung
COPD ist eine ernstzunehmende systemische Erkrankung, die weit über die Lunge hinausgeht. Herz, Stoffwechsel, Psyche und Muskulatur sind oft mitbetroffen. Eine frühe Diagnose, konsequente Therapie, Rauchstopp, Bewegung, richtige Inhalation und gute Nachbetreuung können die Lebensqualität deutlich verbessern und lebensbedrohliche Verschlechterungen verhindern.


Wir danken der Firma Sanofi für die Unterstützung für diese Veranstaltung.
Weiterführende Informationen:
https://www.lungenunion.at/c/atemwege-lunge/copd/
https://www.lungenunion.at/wo-sind-die-versorgungsluecken-bei-asthma-und-copd/
https://www.lungenunion.at/der-persoenliche-therapie-management-plan-copd/
Foto: Copilot














