„Risikogruppen lassen sich hier so klar bestimmen wie bei kaum einer anderen Krebsart. Dazu zählen insbesondere langjährige Raucher:innen, aber auch Menschen, die beruflich oder an ihrem Wohnort bestimmten Schadstoffen ausgesetzt sind“, schreibt Gundula Koblmiller. APA / A3390 Kay Nietfeld
Drei von vier Lungenkrebs-Diagnosen erfolgen spät. Es braucht ein gezieltes Screening der Risikogruppe für eine effizientere Prävention.
Wir haben in Österreich gelernt, früh hinzusehen. Bei Brustkrebs lädt seit 2014 ein strukturiertes Früherkennungsprogramm ein, bei Darmkrebs gibt es seit Oktober 2025 eine kostenlose Vorsorge ab 45 Jahren. Handlungsbedarf besteht jedoch bei der Lungengesundheit.
Jährlich sterben rund 5.000 Menschen in Österreich an Lungenkrebs, er ist eine der tödlichsten Erkrankungen des Landes. Drei von vier Diagnosen erfolgen in fortgeschrittenen Stadien, in denen die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei etwa 20 Prozent liegt, bei früher Erkennung beträgt sie jedoch rund 80 Prozent. Umso schwerer wiegt deshalb, dass es für die Lunge bis heute kein Screening-Programm gibt, obwohl medizinisches Wissen und technische Voraussetzungen vorhanden sind. Andere europäische Länder sind uns voraus.
Struktur statt Zufallsfund
Nicht nur moralisch, sondern auch medizinisch und ökonomisch spricht gerade bei der Lunge vieles für ein national strukturiertes Screening-Programm für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko. Denn Risikogruppen lassen sich hier so klar bestimmen wie bei kaum einer anderen Krebsart. Dazu zählen insbesondere langjährige Raucher:innen, aber auch Menschen, die beruflich oder an ihrem Wohnort bestimmten Schadstoffen ausgesetzt sind, etwa Asbest, Dieselabgasen oder dem Edelgas Radon.
Wie könnte der Ablauf sein? Eine definierte Risikogruppe würde regelmäßig zur Niedrigdosis-Computertomografie eingeladen, bei Auffälligkeiten mit anschließender Zuweisung an ein spezialisiertes Zentrum. Was heute häufig dem Zufall überlassen bleibt, würde damit gezielt gesteuert.
Zugleich können solche Untersuchungen weitere relevante Befunde sichtbar machen, etwa im Zusammenhang mit COPD oder Herzerkrankungen. Was hierfür jedoch fehlt, ist eine verlässliche Infrastruktur für die Lungenkrebs-Früherkennung, auf die sich Patient:innen und Ärzteschaft verlassen können.
Computertomografien der Lunge werden zwar bereits jetzt häufig durchgeführt, allerdings ohne geordnete Abläufe für Befundung und Weiterbehandlung. Das kann unnötige Verunsicherung auslösen und knappe Kapazitäten, insbesondere in Krebsambulanzen, beanspruchen. Zudem hängt die Versorgungsqualität oft vom Wohnort ab. Ein national einheitliches Screening könnte ein Stadt-Land-Gefälle in der Versorgung ausgleichen.
Früherkennung wirkt
Österreich hat bereits bei anderen Indikationen bewiesen, dass organisierte Früherkennung wirkt. Patient:innen profitieren, weil sich ein früh entdeckter Tumor oft operativ entfernen lässt. Dadurch könnten belastende Therapien und erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität vermieden werden.
Für Menschen mit Lungenkrebs bietet Früherkennung die große Chance auf bis zu vierfach höhere Überlebenschancen. Der Ärzteschaft eröffnet die rechtzeitige Diagnose mehr Behandlungsoptionen. Klare Zuständigkeiten sorgen zudem dafür, dass Betroffene rasch an der richtigen Stelle ankommen.
Zugleich entlastet ein geordnetes Programm Ressourcen im Gesundheitssystem, weil Therapien im Frühstadium deutlich kostengünstiger sind als bei später Entdeckung. Darüber hinaus könnten bereits jetzt durchgeführte Untersuchungen mit Computertomografie gezielter genutzt werden. Ein Gewinn für alle!
Zur Autorin: Gundula Koblmiller, MSc., ist Präsidentin der Österreichischen Lungenunion. Die Patient:innenorganisation setzt sich für Menschen mit Lungen- und Atemwegserkrankungen ein.
Quelle: Die Presse, 06.08.2026, Gastkommentar von Gundula Koblmiller














