Bronchiektasen – eine vielfach unterschätzte Atemwegserkrankung

Bronchiektasen-Atemwegserkrankung

Abbildung: Shutterstock.com

Bronchiektasen sind dauerhafte Aussackungen und Erweiterungen der Bronchien, die zu chronischen Entzündungen in den Atemwegen führen. Hauptsymptome sind hartnäckiger Husten, das Abhusten von Schleim, Kurzatmigkeit und häufige Lungeninfektionen. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber gut therapierbar. Eine aktuelle Umfrage schlägt jedoch nun Alarm: Bronchiektasen werden häufig nicht ausreichend wahrgenommen, diagnostiziert und behandelt. Neben mangelnder Bekanntheit gibt es erhebliche Versorgungslücken bei Therapieprogrammen und individueller Unterstützung. Die Österreichische Lungenunion (ÖLU) fordert hier dringend auf, zu handeln.

Defizite bei Information, Zugang und Vermittlung von Behandlungsangeboten

Die ÖLU sieht akuten Bedarf für mehr Aufklärung, frühzeitige Diagnostik sowie eine bessere Integration von Rehabilitations- und Physioangeboten in die Behandlung. Eine aktuelle, im Auftrag der Österreichischen Lungenunion durchgeführte Umfrage, zeigt deutlichen Informations- und Unterstützungsbedarf bei Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Die repräsentative Online-Befragung unter 4.149 Personen ab 45 Jahren – davon sind 707 Betroffene mit diagnostizierten Atemwegs- oder Lungenerkrankungen – macht sichtbar: Bronchiektasen sind weitverbreitet, werden aber häufig zu spät erkannt oder gar nicht wahrgenommen. Viele Betroffene kennen die Erkrankung Bronchiektasen nicht – trotz hoher Relevanz in der Diagnostik.

Bronchiektasen häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen

Rund 9 % der Befragten aus der Patient:innen-Gruppe berichten von einer diagnostizierten Bronchiektasen-Erkrankung. Besonders auffällig:

  • 36,6 % der an Bronchiektasen Erkrankten leiden zusätzlich an rheumatoider Arthritis.
  • 31,1 % berichten über begleitenden Reflux.

Diese Ergebnisse unterstreichen die enge Verbindung der Erkrankung mit anderen immunologischen oder systemischen Krankheitsbildern.

Bekanntheit der Erkrankung weiterhin gering

Unter jenen Patient:innen, die nicht selbst betroffen sind, hat nur ein Drittel (35,1 %) schon einmal von Bronchiektasen gehört. Besonders niedrig ist die Bekanntheit unter Asthma-Patient:innen; deutlich höher hingegen bei Personen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung.

Zwei Drittel jener, die Bronchiektasen kennen oder selbst betroffen sind, erfuhren erstmals durch eine Ärztin oder einen Arzt von der Erkrankung. Bei Personen mit zusätzlicher obstruktiver Lungenerkrankung sind es sogar 80 %.

Lungen-CT: Wichtige Diagnostik – Ergebnisse oft mit Hinweis auf Bronchiektasen

42 % der befragten Patient:innen mit Asthma, COPD oder unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung erhielten in den letzten drei Jahren ein Lungen-CT.
Bei 40 % der CT-Befunde wurden „Bronchiektasen“ ausdrücklich erwähnt – bei Betroffenen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung sogar noch häufiger (46,5%).

Einschränkungen im Alltag: Atemnot und Husten dominieren

Zu den meistgenannten Beschwerden zählen:

  • Atemnot (45,3 %)
  • länger anhaltender Husten (38,3 %)
  • extreme Müdigkeit (31,7 %)

Die wahrgenommene Einschränkung im Alltag wird insgesamt als mittel ausgeprägt bewertet (Durchschnittswert 4,5 auf einer Skala von 1 bis 10). Von COPD-Patient:innen wird die Beeinträchtigung bei Selbsteinschätzung signifikant am stärksten wahrgenommen (MW:5,2).

Freizeit und Alltag am stärksten betroffen – hoher emotionaler Druck

Am stärksten spüren die Teilnehmer:innen die Atemwegserkrankungen in der Freizeit bzw. bei der Ausübung von Hobbies. Dies gibt jede:r zweite Teilnehmer:in an, gefolgt von Herausforderungen im Alltag und bei Haushaltsaufgaben (44 %). Bei Teilnehmer:innen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung sind es dabei jeweils über 50 %. Für fast 30 % ist die emotionale Belastung durch die Erkrankung ebenfalls ein relevantes Thema, tendenziell höher bei Personen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung (35 %).

Therapieangebote werden noch zu wenig genutzt

Auffällig:

  • Nur 25 % nahmen bereits Rehabilitation in Anspruch.
  • 24 % nutzten Physio- oder Atemtherapie.
  • 43 % der Befragten haben noch kein einziges der abgefragten Unterstützungsangebote genutzt

Dies zeigt klaren Handlungsbedarf bei Aufklärung, Zugang und Vermittlung von Therapieangeboten.

Über die Bronchiektasen-Erkrankung

Die Bronchiektasen-Erkrankung ist eine chronische Lungenerkrankung, die durch anhaltenden Husten, Schleimbildung, Atemnot und Müdigkeit gekennzeichnet ist und häufig zu Einschränkungen bei den täglichen Aktivitäten führt. Häufige Infektionen und unkontrollierte Entzündungen können zu Schäden an den Atemwegen führen, was zu erweiterten, entzündeten und vernarbten Atemwegen in einer oder beiden Lungen führt. Im Gegensatz zur Bronchitis, die in der Regel nur kurzfristig auftritt, kommt es bei Bronchiektasen-Erkrankung zu dauerhaften Veränderungen der Lunge. Gezielte Forschung sowie mehr Information und Aufklärung auf diesem Gebiet sind nötig, um eine Verbesserung der Versorgung von betroffenen Menschen gewährleisten zu können.

ÖLU-Bericht über die Umfrage zur Bronchiektasen-Erkrankung (Oktober 2025)


Alle Ergebnisse der aktuellen Umfrage können Sie im ÖLU-Bericht über die Umfrage zur Bronchiektasen-Erkrankung (Oktober 2025) herunterladen.



Auf der Website der Patient:innenorganisation Österreichische Lungenunion finden Sie ebenfalls weiterführende Informationen zur Bronchiektasen-Erkrankung: www.lungenunion.at/bronchiektasen/

Treten Sie mit anderen Patient:innen in Kontakt! Wenn Sie an einem Austausch mit anderen Bronchiektasie-Patient:innen interessiert sind, schreiben Sie uns unter office@lungenunion.at.

Kontakt

Österreichische Lungenunion
Gundula Koblmiller, MSc
E-Mail: office@lungenunion.at
Website: www.lungenunion.at

Wir danken der Firma Insmed für die Unterstützung dieser Umfrage.

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