Alle Jahre wieder stellt die kalte Jahreszeit eine Herausforderung für viele Menschen mit Atemwegserkrankungen dar. Da das Leben meist in beheizten Innenräumen stattfindet, sollten Menschen mit Atemwegserkrankungen, vor allem rund um die Feiertage, stärker aufpassen. Denn die zahlreich eingesetzten Duftstoffe in Lampen, Kerzen und Raumdüften sorgen meist nicht für besinnliche Stunden, sondern oft für allergische Reaktionen oder Asthmaanfälle.

Die Nase ist anatomisch das erste entwickelte sowie auch einfachste menschliche Organ mit einem sehr kurzen Weg zum Gehirn. Sie sichert seit Urzeiten das Überleben von Mensch und Tier, weil wir bis heute die Gefahr wittern können, noch bevor sie zu sehen ist. Dieser „Ur-Sinn“ ist ein wesentlicher Grund, warum wir generell so stark – je nachdem angespannt oder entspannend – auf Düfte reagieren. Zudem kommt, dass wir Düfte mit bestimmten Erinnerungen, Erlebnissen und Menschen in Zusammenhang bringen. So erinnert etwa der Geruch des alten Kleiderkastens der Großmutter an sie als Person. Das liegt daran, dass die Erinnerungszentren in unmittelbarer Nachbarschaft des Riechhirns im Großhirnrindenareal liegen.

Somit wird jedes Erlebnis intensiver empfunden, wenn zusätzlich ein Duftreiz gesetzt wird. Daher haben Aromen eine sehr große Wirkung, die auch zum Beispiel bei der Aromatherapie zur Heilung und Entspannung eingesetzt werden. So gut Aromen bei der Aromatherapie helfen können, so schlecht sind sie unter anderem für Menschen mit Atemwegserkrankungen. Allergiker und Asthmatiker sind vor allem rund um die Weihnachtszeit zunehmend in privaten sowie auch in öffentlichen Räumen Essenzen ausgesetzt, die gesundheitliche Beschwerden wie Unverträglichkeitsreaktionen mit Kopfschmerzen oder Unwohlsein bis hin zu allergischen Reaktionen mit Asthmaanfällen hervorrufen können.

Nicht nur Weihnachtsduft

Doch nicht nur zu Weihnachten ist die „Duftbelastung“ hoch. Da Aromen auf Körper, Geist und Seele im Allgemeinen so stark stimulierend oder entspannend wirken und wohlige Gefühle auslösen können, machen sich viele Unternehmen und Marketingspezialisten diesen Umstand zunutze. Überall wird gesprüht und aromatisiert, damit Kunden sich wohlfühlen und gerne und möglichst viel einkaufen. Gleichfalls werden in Büroräumen Duftstoffe eingesetzt, um die Konzentration der Mitarbeiter zu steigern.

Gerne werden sie aber auch verwendet, um unangenehme Gerüche zu überdecken. Das Problem dabei ist, dass die Anwender davon ausgehen, dass sie damit die Raumluft verbessern. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Auch wenn der Eindruck entsteht, es rieche besser, die Atemluft wird durch konzentrationsbedingte Giftstoffe und hochpotente Allergene belastet. Dies ergab eine Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB), bei der verschiedene Substanzen untersucht wurden, die dem Konsumenten zur Raumbeduftung angeboten werden, mit dem Ziel, eine Risikoabschätzung bei der Verwendung zu liefern.

Das Fazit der Studie: „Insgesamt ist festzuhalten, dass der Verbraucher derzeit nicht erkennen kann, ob die Verwendung eines bestimmten Produktes seine Gesundheit gefährdet oder nicht. Weder die Einkaufsquelle noch die Applikationsform ist ein Garant für Gefährdung oder Unbedenklichkeit. Diese Unsicherheit lässt nur den Schluss zu, Duftstoffe zu meiden und besser die Quelle der Geruchsbelästigung zu eruieren und zu entfernen, anstatt sie zu maskieren. Auch die Verwendung von Produkten auf sogenannter rein natürlicher Basis kann eine hohe Raumluftbelastung verursachen.“ Die deutsche Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik (GUI) warnt sogar vor dem trügerischen Frischegefühl, das Raumsprays vermitteln. Dem Anwender sei häufig nicht klar, dass er mit Duftsprays, Duftölen, Duftkerzen und Duftgelen die Innenraumluftqualität im Regelfall dramatisch verschlechtert: Die Atemluft ist durch konzentrationsbedingte Giftstoffe und hochpotente Allergene belastet.

Duftstoffallergie

Duftstoffe sind nach Nickel der zweithäufigste Auslöser für Allergien auf der Haut. Mindestens zwei Prozent der Österreicher reagieren auf Duftstoffe mit Juckreiz und Hautausschlägen. Es können aber auch dem Heuschnupfen ähnliche Symp-tome oder andere gesundheitliche Probleme auftreten. Da Duftstoffe dermaßen weit verbreitet gegen schlechte Gerüche eingesetzt werden, ist es nicht verwunderlich, dass so viele Duftstoffe in Waschmitteln und Reinigungsmitteln, aber auch in parfümierten Körperpflegeprodukten enthalten sind. Anhaltend Düften ausgesetzt zu sein, kann aber, ähnlich wie Lärm, Stressreaktionen mit körperlichen Folgen verursachen. Einige Duftstoffe sind zudem umweltgefährlich und/oder schwer abbaubar und reichern sich über die Zeit in Umwelt, Mensch und Tier an.

Bestehen schon Vorerkrankungen wie etwa Allergien, Asthma bronchiale, chronische Erschöpfung oder chronische Schmerzen, steigt das Risiko für Duftstoff-Intoleranzen deutlich an. Die Betroffenen klagen über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Gedächtnisstörungen und Wortfindungsstörungen, aber auch Reizerscheinungen im Bereich der Schleimhäute und der Atemwege. Seltener tritt die sogenannte „Multiple Chemical Sensitivity“ (MCS) auf – eine starke Überempfindlichkeit gegenüber vielen flüchtigen, organischen Substanzen (Lösemitteln, Benzindämpfen, Ausgasungen von Möbeln und Teppichen) und auch Duftstoff-Überempfindlichkeiten. Seltener deshalb, weil der Entwicklung dieses Krankheitsbildes häufig eine kurzzeitig hohe oder eine langjährig weniger hohe Belastung mit Schadstoffen wie Pestiziden oder Lösemitteln vorausgegangen ist. Die Hypersensitivität entwickelt sich meist erst Jahre nach Beginn der ersten Symptome, jedoch bleibt sie auch nach Beendigung der ursächlichen Schadstoff-Exposition oft bestehen.

Tipps & Gegenmaßnahmen

Da wir heute einerseits in privaten wie auch öffentlichen Räumen, also immer und überall, von Duftwolken umgeben sind, ist das Leben für Menschen mit Duftstoff-Intoleranz mit massiven Einschränkungen und somit einer Minderung der Lebensqualität verbunden. Sich für ein generelles Verbot von Duftstoffen in öffentlich zugänglichen Gebäuden (Banken, Kinos, Theater etc.) und Gesundheitseinrichtungen einzusetzen, wäre sinnvoll. Da es jedoch derzeit unmöglich ist, im Vorfeld zu erkennen, ob Duftstoffe verwendet werden, ist es ratsam, beim Personal oder der Geschäftsleitung vorher nachzufragen.Tipps der Umweltberatung für Duftstoffallergiker:

  • Setzen Sie Duftstoffe nur in Maßen und gezielt ein.
  • Lassen Sie WC-Beckensteine, Luftverbesserer, Duftbäumchen und Raumsprays wenn möglich im Regal stehen – Reinigen und Lüften ist die gesündere Lösung!
  • Tragen Sie beim Putzen Schutzhandschuhe.
  • Ist der Kontakt mit Duftstoffen nicht vermeidbar, verwenden Sie Schutzhandschuhe.
  • Verwenden Sie nach jedem Waschen rückfettende Öle oder parfumfreie Salben zum Schutz der Haut. Achten Sie auf Folgeerkrankungen wie etwa Hautinfektionen. Sie müssen gesondert behandelt werden.
  • Verwenden Sie möglichst Putz- und Waschmittel sowie Kosmetika ohne Duftstoffe.
  • Verwenden Sie Kosmetika sparsam.
  • Sprühen Sie Parfum nie auf die Haut, sondern auf Haare oder Kleidung. (Vorsicht, es können Flecken entstehen!)
  • Natürliche Duftstoffe selber herstellen

Weitere Infos:

umweltberatung.at/duftstoffe

Detaillierte Infos zur Studie: daab.de/haut/duftstoffe-in-innenraeumen/