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Lungenkrebs nach Operation – Nachsorge, Therapiemöglichkeiten und Metastasen

Vortrag von OÄ Dr.in Romana Wass, PhD, Fachärztin am Lungenkrebszentrum des Kepler-Universitätsklinikums Linz, LKU.


Vortrag Lungenkrebs nach Operation von OÄ Dr.in Romana Wass, PhD

Der Videomitschnitt wird in Kürze hier zu finden sein.

OÄ Dr.in Romana Wass, PhD (Kepler-Universitätsklinikum Linz, LKU)
OÄ Dr.in Romana Wass, PhD

Einleitung

OÄ Dr. Romana Wass, PhD, Abteilung für Innere Medizin 4 mit Schwerpunkt  Pneumologie, Med Campus III, Kepleruniversitätsklinikum Linz, beschreibt in ihrem Vortrag ausführlich die modernen Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenkrebs im frühen Stadium. Im Mittelpunkt stehen Patientinnen und Patienten, bei denen der Tumor operativ entfernt werden kann, sowie die ergänzenden Therapien vor und nach einer Operation. Darüber hinaus erläutert sie die Bedeutung einer strukturierten Nachsorge und die Fortschritte in der modernen Lungenkrebstherapie.

Häufigkeit und Risikofaktoren

Lungenkrebs zählt in Österreich zu den häufigsten Krebserkrankungen. Jährlich erkranken etwa 5.000 Menschen neu daran. Er ist die zweithäufigste Krebserkrankung insgesamt und weiterhin die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern. Gleichzeitig steigt die Zahl der betroffenen Frauen kontinuierlich an. Das durchschnittliche Alter bei Diagnosestellung liegt bei rund 69 Jahren.

Als bedeutendster Risikofaktor gilt das Rauchen. Rund neun von zehn Betroffenen rauchen oder haben in der Vergangenheit geraucht. Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist bei Raucherinnen und Rauchern um ein Vielfaches erhöht. Auch Passivrauchen stellt einen relevanten Risikofaktor dar.

Symptome und Früherkennung

Die ersten Symptome von Lungenkrebs sind häufig unspezifisch und werden deshalb oftmals spät erkannt. Zu den möglichen Beschwerden zählen anhaltender Husten, Atemnot, Blutbeimengungen im Auswurf, ungewollter Gewichtsverlust, Müdigkeit, Nachtschweiß und allgemeine Leistungsminderung.

Da diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, erfolgt die Diagnose häufig verzögert. Gerade in frühen Tumorstadien wird Lungenkrebs deshalb oft zufällig entdeckt, etwa im Rahmen einer Routineuntersuchung oder einer Bildgebung aus anderen medizinischen Gründen.

Dr. Wass betont, dass eine strukturierte Früherkennung künftig eine entscheidende Rolle spielen könnte. Ein flächendeckendes Lungenkrebs-Screening-Programm könnte dazu beitragen, Tumore in einem heilbaren Frühstadium zu entdecken.

Diagnostik und Untersuchungen

Besteht der Verdacht auf Lungenkrebs, erfolgt zunächst eine umfassende bildgebende Diagnostik. Dazu gehören insbesondere eine Computertomografie des Brustkorbs sowie häufig ein PET-CT. Letzteres ermöglicht durch die Darstellung stoffwechselaktiver Gewebe eine besonders präzise Einschätzung der Tumorausbreitung. Zusätzlich wird in vielen Fällen ein Schädel-MRT durchgeführt, da Lungenkrebs früh Metastasen im Gehirn bilden kann.

Für die endgültige Diagnosestellung ist eine Gewebeprobe erforderlich. Diese kann durch eine Bronchoskopie oder durch eine CT-gesteuerte Punktion gewonnen werden. Anschließend untersucht die Pathologie das Gewebe mikroskopisch und molekularbiologisch.

Neben der Unterscheidung zwischen kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom erfolgt heute standardmäßig eine umfassende molekulare Testung. Dabei wird nach genetischen Veränderungen gesucht, die gezielt medikamentös behandelt werden können.

Tumorstadien

Die genaue Bestimmung des Tumorstadiums ist entscheidend für die Therapieplanung.

  • Stadium I: Der Tumor ist klein, lokal begrenzt und ohne Lymphknotenbefall. Eine Operation ist meist ausreichend.
  • Stadium II: Der Tumor ist größer oder nahegelegene Lymphknoten sind betroffen. Zusätzlich zur Operation wird meist eine weitere Therapie notwendig.
  • Stadium III: Es bestehen mehrere befallene Lymphknotenstationen im Brustkorb. Eine Operation ist nur in ausgewählten Fällen möglich.
  • Stadium IV: Es liegen Fernmetastasen vor. Eine operative Behandlung ist in der Regel nicht mehr sinnvoll.

Je früher der Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Voraussetzungen für eine Operation

Ob eine Operation möglich ist, hängt nicht allein vom Tumorstadium ab. Ebenso entscheidend ist der allgemeine Gesundheitszustand der betroffenen Person.

Vor einer Operation wird geprüft, ob die Lungenfunktion ausreichend ist und ob Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder andere chronische Erkrankungen vorliegen. Auch Alter, körperliche Belastbarkeit und individuelle Lebenssituation fließen in die Entscheidung ein.

Ziel ist stets, nicht nur den Tumor technisch entfernen zu können, sondern auch sicherzustellen, dass die Patientin oder der Patient die Operation gut übersteht und danach eine ausreichende Lebensqualität behält.

Zusätzliche Therapien vor und nach der Operation

In vielen Fällen reicht eine Operation allein nicht aus. Abhängig vom Tumorstadium und den pathologischen Befunden werden zusätzliche systemische Therapien eingesetzt.

Hierzu zählen:

  • Chemotherapie
  • Immuntherapie
  • Zielgerichtete Therapien
  • Kombinationen dieser Verfahren

Diese Behandlungen können vor der Operation (neoadjuvant), nach der Operation (adjuvant) oder sowohl vor als auch nach der Operation (perioperativ) erfolgen.

Eine Therapie vor der Operation kann den Tumor verkleinern, die Operation erleichtern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Tumor vollständig entfernt werden kann. Zudem ermöglicht sie eine frühzeitige Bekämpfung möglicher Mikrometastasen.

Bedeutung der pathologischen Remission

Ein zentrales Therapieziel ist die sogenannte komplette pathologische Remission. Diese liegt vor, wenn nach der Vorbehandlung im operativ entfernten Tumorgewebe keine lebenden Tumorzellen mehr nachweisbar sind.

Dieses Ergebnis ist mit einer besonders günstigen Prognose verbunden und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Heilung deutlich.

Ziel ist es, Sicherheit im Umgang mit Atemnot zu vermitteln, damit Training wieder möglich wird.

Nachsorge nach der Behandlung

Auch nach erfolgreicher Operation und ergänzender Therapie bleibt eine engmaschige Nachsorge notwendig. Ziel ist es, Rückfälle frühzeitig zu erkennen und therapiebedingte Spätfolgen zu überwachen.

In den ersten Monaten erfolgen die Kontrollen meist alle drei Monate. Später können die Abstände auf sechs Monate und nach mehreren rückfallfreien Jahren auf jährliche Kontrollen verlängert werden.

Die Nachsorge umfasst:

  • ausführliche ärztliche Gespräche
  • körperliche Untersuchungen
  • bildgebende Kontrollen, insbesondere CT-Untersuchungen
  • regelmäßige Lungenfunktionsprüfungen
  • Kontrolle möglicher Nebenwirkungen der Therapie

Eine strukturierte Nachsorge wird in der Regel über mindestens fünf Jahre empfohlen.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Dr. Wass hebt hervor, dass sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenkrebs in den vergangenen Jahren erheblich verbessert haben. Moderne Immuntherapien, zielgerichtete Medikamente und individualisierte Behandlungskonzepte haben die Überlebenschancen deutlich erhöht.

Insbesondere die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen im Tumorboard ermöglicht heute eine präzisere und besser abgestimmte Therapieplanung.

Zusammenfassend zeigt sich, dass Lungenkrebs heute deutlich differenzierter und erfolgreicher behandelt werden kann als noch vor wenigen Jahren. Entscheidend für die Prognose bleiben jedoch eine frühe Diagnose, eine sorgfältige interdisziplinäre Therapieplanung und eine konsequente Nachsorge.

Foto: Shutterstock

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