Herr Univ.-Doz. Dr. Sven Schneider ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und an der Medizinischen Universität in Wien tätig. Sein klinischer Alltag ist geprägt von der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Beschwerden im Bereich der Nase und der Nasennebenhöhlen. Dazu zählen insbesondere Probleme mit der Nasenatmung, chronische Entzündungen der Nebenhöhlen, Schmerzen oder eine übermäßige Schleimproduktion.
Vortrag CRSmNP von Univ.-Doz. Dr. Sven Schneider
Der Videomitschnitt des Vortrags ist in Kürze hier zu finden.

Forschung zu chronischer Rhinosinusitis
Als spezialisierter Rhinologe widmet sich Dr. Schneider vor allem der Behandlung von Menschen mit chronischer Rhinosinusitis. Parallel dazu arbeitet er in der Forschung gemeinsam mit Professorin Julia Eckl-Dorna im Vienna Airway Lab daran, die zugrunde liegenden Mechanismen dieser Erkrankungen besser zu verstehen, um neue und gezieltere Therapieansätze entwickeln zu können.
Typische Symptome und ihre Auswirkungen
Ein zentrales Anliegen seiner Arbeit ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass anhaltende Beschwerden im Nasenbereich nicht ignoriert werden sollten. Symptome, die über Wochen oder Monate bestehen, bedürfen einer fachärztlichen Abklärung, da sie unterschiedliche Ursachen haben können. Häufig liegt eine chronische Entzündung zugrunde, deren frühzeitige Diagnose den Verlauf positiv beeinflussen kann. Mitunter lassen sich dadurch auch Folgeerkrankungen der Atemwege, wie Asthma, abmildern. Darüber hinaus können hinter solchen Beschwerden auch allergische Reaktionen oder sogar gut- und bösartige Tumoren stehen, die eine rechtzeitige Diagnose erfordern.
Besonders ernst zu nehmen sind Einschränkungen der Nasenatmung sowie ein nachlassender oder fehlender Geruchssinn. Viele Betroffene leiden zudem unter einer verstärkten Schleimproduktion, die sich als laufende Nase oder als sogenannter Post-nasal-Drip äußert, bei dem zähes Sekret in den Rachen abfließt und ein unangenehmes Fremdkörpergefühl verursacht. Auch Druck- und Schmerzempfindungen in den Nebenhöhlen sowie schlafbezogene Beschwerden wie Schnarchen oder sogar Atemaussetzer können Hinweise auf behandlungsbedürftige Erkrankungen sein.
Chronische Erkrankung statt harmloser Infekt
Für Patientinnen und Patienten mit chronischer Rhinosinusitis oder Nasenpolypen ist es wichtig zu verstehen, dass es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung handelt, die nach aktuellem Wissensstand nicht vollständig geheilt werden kann. Die Entzündung entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren in der Nasenschleimhaut und kann selbst nach Therapie oder Operation wieder auftreten. Daher liegt der Fokus der Behandlung darauf, die Entzündungsreaktion zu kontrollieren und die Symptome so weit zu reduzieren, dass ein möglichst beschwerdefreies Leben möglich ist. Dies geschieht durch langfristige Maßnahmen wie die Anwendung von Nasensprays, moderne Biologika-Therapien sowie durch Eigenmaßnahmen der Betroffenen, etwa regelmäßige Nasenspülungen und die Vermeidung von Reizstoffen.
Eine besondere Form der Erkrankung betrifft jene Patientinnen und Patienten, die neben Nasenpolypen und Asthma auch eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Schmerzmitteln, den sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, aufweisen. Bei ihnen kann die Einnahme solcher Medikamente zu schweren Reaktionen bis hin zu akuten Asthmaanfällen führen, weshalb eine gezielte Aufklärung über dieses Krankheitsbild von großer Bedeutung ist.
Wandel in der Therapie
In den vergangenen Jahren hat sich die Behandlung der chronischen Rhinosinusitis erheblich gewandelt. Während früher vor allem operative Eingriffe im Vordergrund standen, stehen heute zunehmend moderne medikamentöse Therapien zur Verfügung. Operationen können zwar kurzfristig Erleichterung bringen, führen jedoch bei vielen Betroffenen nicht zu einer dauerhaften Lösung, da die Polypen häufig wieder nachwachsen. Seit einigen Jahren bieten sogenannte Biologika eine neue Behandlungsoption: Diese gezielt wirkenden Antikörper greifen in die Entzündungsmechanismen ein und können das Wachstum von Polypen deutlich reduzieren. Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet dies eine spürbare Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Die Frage, ob eine Operation notwendig ist, wird individuell entschieden. Während sie für manche eine sinnvolle und rasche Maßnahme darstellt, zeigt sich bei bestimmten Risikogruppen, etwa bei gleichzeitigem Asthma oder Schmerzmittelunverträglichkeit, eine hohe Rückfallrate. In solchen Fällen kann eine direkte medikamentöse Therapie langfristig die bessere Option sein.
Oft unterschätzt: Einfluss auf Lebensqualität und Psyche
Trotz der erheblichen Auswirkungen wird der Leidensdruck durch chronische Rhinosinusitis häufig unterschätzt. Es handelt sich nicht um eine harmlose Erkältung, sondern um eine ernstzunehmende chronische Erkrankung, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Neben körperlichen Beschwerden wie eingeschränkter Atmung und Geruchsverlust leiden viele Betroffene auch unter Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen und psychischen Belastungen bis hin zu depressiven Verstimmungen.
Die Bedeutung der ganzheitlichen Diagnostik
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die enge Verbindung zwischen Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Viele Patientinnen und Patienten mit Nasenpolypen leiden gleichzeitig an Asthma, und umgekehrt tritt ein Teil der Asthmafälle gemeinsam mit Nasenpolypen auf. Da die zugrunde liegenden Entzündungsmechanismen ähnlich sind, profitieren beide Fachrichtungen – die HNO-Heilkunde und die Lungenheilkunde – von gemeinsamen Therapieansätzen. Ein interdisziplinärer Austausch ist daher entscheidend für eine optimale Behandlung. Patientinnen und Patienten sollten ihre Beschwerden umfassend schildern, um eine ganzheitliche Diagnose zu ermöglichen.
Am Beginn jeder Diagnostik steht ein ausführliches Gespräch über die Symptome und deren Verlauf. Es folgt eine körperliche Untersuchung der Nase, ergänzt durch endoskopische Verfahren, mit denen auch schwer zugängliche Bereiche beurteilt werden können. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Computertomografie eingesetzt, um ein detailliertes Bild der Nasennebenhöhlen zu erhalten. Ergänzende Tests, etwa zur Feststellung von Allergien oder zur Überprüfung des Geruchssinns, sowie standardisierte Fragebögen helfen dabei, den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu erfassen.
Weiterführende Informationen finden Sie unter folgenden Links:
https://www.lungenunion.at/c/atemwege-lunge/nasenpolypen/
Foto: Shutterstock














