Der Wunsch nach besserer Haut führt viele Neurodermitis-Betroffene zu Karenzdiäten. Was der Haut helfen soll, kann dem Körper an anderer Stelle fehlen – etwa den Knochen.
Viele Neurodermitis-Betroffene möchten über die Pflege hinaus etwas für ihre Haut tun und stoßen früher oder später auf Ernährungsempfehlungen: Besonders häufig stellt sich die Frage, ob bestimmte Lebensmittel Neurodermitis-Schübe auslösen. Gestrichen werden oft Milchprodukte, dann Weizen oder Nüsse, häufig auch Eier.
Wo liegen die Risiken solcher Ernährungsversuche?
Dieses weit verbreitete Weglassen bestimmter Nahrungsmittel kann zu einer Fehlversorgung des Körpers führen. Milchprodukte liefern zum Beispiel hochwertiges Eiweiß und Kalzium, Getreideprodukte B-Vitamine und Mineralstoffe, Nüsse wertvolle Fettsäuren.
Ein längerer Verzicht auf z. B. Milchprodukte trifft vor allem Knochen und Zähne wegen der Unterversorgung mit Kalzium. Viele trendige Pflanzendrinks können die fehlende Versorgungslücke mit Kalzium nicht schließen. Entweder ist kaum davon enthalten oder es wird vom Körper nur sehr schlecht aufgenommen. Fehlt Kalzium jedoch über längere Zeit, so können Kinder nicht ausreichend starke Knochen entwickeln und Erwachsene bauen verstärkt Knochenmasse ab. Das führt zu einem erhöhten Risiko für Osteoporose, eine Erkrankung, bei der die Knochen porös werden und leicht brechen. Wenn der Lifestyle zusätzliche Risikofaktoren wie Vitamin-D-Mangel, Eiweißunterversorgung oder ein Ungleichgewicht bestimmter Mineralstoffe verursacht, führt eine eigentlich hautbezogene Maßnahme langfristig zu einem ganz anderen Problem: geschwächte Knochen.
Wie lassen sich Knochen stärken?
Für stabile Knochen sind neben der Bewegung und Sonnenlicht die ausgewogene Ernährung das A und O. Neben täglich 3 Portionen Milchprodukten für Kinder und 2 Portionen für Erwachsene liebt der Knochen Gemüse und Obst, sowie regelmäßig Fisch, Nüsse und Eier. Ergänzen Sie 2–3 × pro Woche durch kleine Portionen Fleisch. Vervollständigen Sie Ihren Speiseplan abwechslungsreich mit Getreide, Kartoffeln, Hirse, Buchweizen und Reis. Drosseln Sie Ihren Konsum von verarbeiteten Produkten wie Wurstwaren, Junk Food, Fertigprodukten, und phosphorreichen Getränken wie Cola. Alkohol, besonders regelmäßig konsumiert, schmeckt dem Knochen nicht. Wer unsicher ist, ob sein Speiseplan alle Nährstoffe abdeckt, kann sich von einer Diätolog:in begleiten lassen. Oft reichen schon einfache Anpassungen.
Sind Lebensmittel wirklich so oft Auslöser?
Tatsächlich sind echte Nahrungsmittelallergien bei Neurodermitis seltener, als viele vermuten. Es gibt individuelle Unverträglichkeiten oder Trigger, aber pauschales Weglassen bringt nicht automatisch eine Besserung. Gerade bei chronischen Erkrankungen wie der Neurodermitis sollte der Körper nicht zusätzlich durch Nährstoffmängel belastet werden. Eliminationsdiäten sollten nur nach entsprechender medizinischer Abklärung und mit ernährungstherapeutischer Begleitung erfolgen. Steht also ein Lebensmittel in Verdacht, für Neurodermitis-Schübe mitverantwortlich zu sein, ist ein gezieltes Überprüfen von möglichen Zusammenhängen der Beschwerden und Nahrungsaufnahme sinnvoll. Gleichzeitig sollten bereits bestehende Nährstoffdefizite durch Anpassung der Ernährung ausgeglichen werden.
Hier finden Sie nähere Informationen zu klinischen Studien:
Besser gut geplant
„Weniger“ ist nicht automatisch „gesünder“. Wer aus Sorge um die Haut immer mehr vom Speiseplan streicht, riskiert Nährstoffmangel oder Fehlversorgung. In bestimmten Fällen kann eine zeitlich begrenzte Auslassdiät sinnvoll sein. Wichtig ist dann eine fachliche Begleitung. So lassen sich Ernährung und Symptome besser beurteilen und der Einfluss der Ernährung auf die Neurodermitis prüfen, ohne dass der Knochen leidet.
Die Prämisse ist: So wenig wie möglich vom Gesunden meiden. Denn eine ausgewogene Ernährung, die individuell angepasst ist, schützt nicht nur die Haut, sondern auch Lunge, Muskeln und Skelett. Und das ist letztlich ein Gewinn für die gesamte Lebensqualität.
Gastbeitrag von Erika Mittergeber, Diätologin
https://diaetologie.at/verband/arbeitskreise/qualitaetszirkel-allergologie/
Foto: ChatGPT
Weiterführende Informationen:
https://www.lungenunion.at/c/haut/neurodermitis/
https://www.lungenunion.at/ernaehrung-bei-neurodermitis-vom-saeuglings-bis-ins-erwachsenenalter/














