Weltweit reisen jedes Jahr mehr als drei Milliarden Menschen mit dem Flugzeug. Liegt ein gesundheitliches Problem vor, muss schon bei der kleinsten geplanten Operation im Spital eine Freigabe durch den Internisten erfolgen. Ein beträchtlicher Teil der Flug-Passagiere ist jedoch chronisch krank und fliegt ohne über die Gefahren nachzudenken. Jedoch macht es vor allem bei chronischen Atemwegserkrankungen Sinn, den Lungenfacharzt um Rat zu fragen.

Flugreisen gehören längst zum Alltag. Doch gleichzeitig hat das Bewusstsein für die gesundheitlichen Belastungen abgenommen. Der Kabinendruck während des Fluges ist in etwa mit der Situation auf 2.500 Meter Seehöhe vergleichbar. „Viele meiner Patienten sagen, dass sie niemals auf einen 2.500 Meter hohen Berg gehen würden. Aber beim jedem Flug kommen sie in genau in diese Situation“, erklärt Dr. Joachim Huber, Internist, Kardiologe und Flugmediziner aus Wien, bei der 41. Jahrestagung der ÖGP (Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie), in Innsbruck.


Natürlich hat sich in den letzten Jahren auch der Kreis der Flugreisenden erweitert. 50 Prozent aller Flugpassagiere sind über 50 Jahre alt. Leider sind aber auch mehr als 50 Prozent chronisch krank. Zudem nimmt etwa eine Million Österreicher täglich mehr als fünf verschiedene Medikamente. 25 Prozent der Touristen werden am Urlaubsort in irgendeiner Weise krank. Und viele dieser Menschen steigen ins Flugzeug.
Eine Statistik der „Doc-on-Board“-Initiative hat ergeben: 30 Prozent der Flugpassagiere haben Herz-Kreislauf-Leiden. 15 Prozent weisen chronische Atmungsprobleme auf. Erst danach kommen psychische Notfälle und Flugangst, neurologische und andere Probleme. Statistisch tritt immerhin ein medizinischer Notfall pro 10.000 Passagiere auf. Im Jahr werden zudem rund 2.000 Todesfälle während der Flüge registriert. Ein bisschen Vorsicht ist also durchaus angebracht.

Belastungen wie auf dem Berg

„Was für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen im Alltagsleben kaum spürbar ist, kann während einer Flugreise leicht problematisch werden“, warnte der Flugmediziner. So liegt die Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut in Meereshöhe bei 98 Prozent. Joachim Huber: „In einer Flugzeugkabine nimmt aber der Luftdruck ab und auch die Sauerstoffsättigung fällt auf rund 92 Prozent. Kommt dann noch COPD, Asthma oder eine Herz-Kreislauferkrankung hinzu, verschlechtert sich die Situation für den Flugreisenden dramatisch.“

Deshalb macht es Sinn, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen vor einer Flugreisen zumindest zu ihrem Hausarzt gehen und sich beraten zu lassen. Dieser sollte bei Bedarf zum Lungenfacharzt bzw. zum Internisten überweisen. Per Lungenfunktionsmessung kann die Situation des Betroffenen genauer abgeklärt werden. Denn auch bei Menschen mit chronischen Erkrankungen lässt sich die Flugtauglichkeit verbessern, etwa mit einer optimierten medikamentösen Einstellung. Aber dafür braucht man ein paar Wochen Zeit. „Wer mit chronischen Atemwegs- oder Herz-Kreislauferkrankungen am Tag vor Antritt der Flugreise zum Arzt geht, kommt zu spät“, so der Experte.

Ein Atemvolumen von drei Litern pro maximalem Atemzug, ein FEV1-Wert (maximale Ausatmung binnen einer Sekunde) von mehr als 70 Prozent des Sollwertes, eine arterielle Sauerstoffsättigung von mehr als 85 Prozent und ein Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut (Pa02) von mehr als 70 mm HG stellen die Mindestanforderungen für den Status eines Flugreisenden dar.

Fliegen und Asthma

Zusätzlich sollten Patienten mit Asthma medikamentös gut eingestellt und in der Lage sein, ihre chronische Erkrankung zu managen. (Notfall-)Medikamente müsssen unbedingt ins Handgepäck. „Gute Fluglinien haben zwar solche Arzneimittel an Bord, vielleicht passen sie aber nicht für jeden Patienten optimal“, so der Experte. Zudem ist die gefilterte Luft in der Flugzeugkabine meist sehr trocken. Das kann Asthmatikern Probleme machen und erhöht den Flüssigkeitsbedarf bis auf das Doppelte. Nach einem schweren Asthmaanfall, sollte zumindest 48 Stunden lang nicht geflogen werden.

Fliegen und COPD

Ohne wirksame Therapie und ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung sind Patienten mit einer COPD im Stadium III oder IV bei einem FEV1-Wert von weniger als 60 Prozent des Normwertes und einer arteriellen Sauerstoffsättigung unter 85 Prozent nicht flugtauglich. Es gibt die Möglichkeit einer zusätzlichen Sauerstoffversorgung während des Fluges. Da muss man sich aber bei der Fluglinie erkundigen, welche Geräte in die Kabine mitgenommen werden dürfen.

Fliegen und Lungenhochdruck

Auch Patienten mit Lungenhochdruck können bei entsprechender Vorsorge (genaue Untersuchung durch den Kardiologen und Lungenfacharzt) und unter erforderlicher Therapie und allen vom Arzt empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen eine Flugreise antreten. Ab einer Flugdauer von zweieinhalb Stunden sollte Sauerstoff mitgeführt werden. Im Endeffekt sollte aber schon bei der Reiseplanung berücksichtigt werden, dass es auch am Zielort eine ausreichende medizinische Versorgung gibt.

Vor einer Flugreise sollten chronisch kranke Patienten mit dem Lungenfacharzt Ihres Vertrauens sprechen.