Gürtelrose – Ursachen, Verlauf, Folgen und Schutz durch Impfung

Nach einer live ÖLU-Fortbildungsveranstaltung mit Vortrag von Ap.Prof. PD Dr. Selma Tobudic, Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin, Medizinische Universität Wien. Hier auch zum Nachhören.

Ap.Prof. PD Dr. Selma Tobudic

Was ist Gürtelrose?

Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, ist eine Virusinfektion, die durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht wird – dasselbe Virus, das auch Windpocken auslöst. Nach einer überstandenen Windpockenerkrankung bleibt das Virus im Körper, versteckt in den Nervenzellen. Wenn das Immunsystem im Laufe des Lebens schwächer wird, kann es wieder aktiv werden. Das führt zu einem schmerzhaften Hautausschlag mit Bläschen, der meist gürtelförmig auftritt – daher der Name Gürtelrose.

Wie erkennt man Gürtelrose?

Oft beginnt die Erkrankung mit brennenden, stechenden oder ziehenden Schmerzen entlang eines bestimmten Hautareals, dem sogenannten Dermatom. Nach ein bis zwei Tagen zeigen sich rote Flecken, später kleine Bläschen. Diese können stark jucken oder schmerzen. Besonders unangenehm ist es, wenn Gesicht, Auge oder Ohr betroffen sind. Eine frühe Behandlung ist wichtig, um Spätfolgen zu vermeiden.

Wer ist besonders gefährdet?

Das Risiko für Gürtelrose steigt ab dem 50. Lebensjahr deutlich an, weil die Abwehrkräfte mit zunehmendem Alter nachlassen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Auch körperlicher oder seelischer Stress, bestimmte Medikamente wie Kortison oder Erkrankungen wie COPD, Krebs, Diabetes oder HIV erhöhen das Risiko. Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD haben etwa ein 1,5-fach höheres Risiko, an Gürtelrose zu erkranken.

Mögliche Komplikationen

In den meisten Fällen heilt Gürtelrose innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Bei manchen Betroffenen können jedoch Komplikationen auftreten. Dazu gehören Entzündungen der Nerven, des Gehirns oder Rückenmarks, Augenentzündungen (Zoster ophthalmicus) oder eine Beteiligung des Ohrs (Zoster oticus). Besonders gefürchtet ist die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie – anhaltende Nervenschmerzen, die Monate oder sogar Jahre andauern können.

Post-Zoster-Neuralgie – Wenn Schmerzen bleiben

Nach Abheilung der Hauterscheinungen können die Nerven dauerhaft geschädigt sein. Viele Betroffene beschreiben die Schmerzen als brennend oder elektrisierend – „wie Feuer unter der Haut“. Die Haut bleibt empfindlich, und selbst Berührungen können schmerzhaft sein. Etwa 30 % der Patient:innen sind betroffen, besonders ältere Menschen oder solche, bei denen die Behandlung spät begonnen wurde.

Weitere Folgen – Gefäße, Herz und Gehirn

Das Varizella-Zoster-Virus kann auch Entzündungen in Blutgefäßen verursachen. Dadurch steigt das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte, besonders in den ersten Monaten nach der Erkrankung. Studien zeigen ein bis zu 70 % erhöhtes Risiko in dieser Zeit. Neuere Forschungen deuten außerdem darauf hin, dass Herpesviren langfristig auch das Gehirn beeinflussen können – etwa durch Entzündungen oder Ablagerungen, die bei Demenz eine Rolle spielen.

Behandlung

Ziel der Therapie ist es, die Virusvermehrung zu stoppen, Schmerzen zu lindern und Spätfolgen zu verhindern. Die antivirale Behandlung sollte möglichst innerhalb von 72 Stunden nach dem ersten Auftreten der Bläschen beginnen. Eingesetzte Medikamente sind Aciclovir, Valaciclovir, Famciclovir oder Brivudin. Bei schweren Verläufen erfolgt die Behandlung im Krankenhaus. Begleitend helfen Schmerzmittel, kühlende Umschläge, Ruhe und Stressabbau.

Die Impfung gegen Gürtelrose – Shingrix®

Die beste Möglichkeit, sich vor Gürtelrose zu schützen, ist die Impfung. Der Impfstoff Shingrix® ist ein sogenannter Totimpfstoff, enthält also kein lebendes Virus. Er besteht aus einem Virusprotein (gE) und einem Wirkverstärker (Adjuvans AS01B), der die Immunantwort des Körpers verstärkt. Dadurch wird das Immunsystem gezielt aktiviert und kann das Virus im Fall einer Reaktivierung schneller bekämpfen.

Impfplan und Wirksamkeit

Die Impfung besteht aus zwei Dosen, die im Abstand von zwei bis sechs Monaten gegeben werden. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem kann die zweite Dosis schon nach ein bis zwei Monaten erfolgen. Der Schutz ist langanhaltend – Studien zeigen eine Wirksamkeit von etwa 90 % sowohl gegen Gürtelrose als auch gegen die Post-Zoster-Neuralgie. Der Impfstoff kann auch bei immungeschwächten Personen sicher angewendet werden.

Zusätzliche Vorteile der Impfung

Mehrere Studien aus den USA, Australien und Großbritannien weisen darauf hin, dass Menschen, die gegen Gürtelrose geimpft sind, seltener im Alter an Demenz erkranken. Das Risiko war bei Geimpften um etwa 20 – 50 % geringer als bei Ungeimpften. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang ist jedoch noch nicht abschließend bewiesen.

Fazit – Die wichtigsten Punkte

Gürtelrose ist mehr als nur ein Hautausschlag. Sie kann Nerven, Augen, Gefäße und innere Organe betreffen und zu langanhaltenden Schmerzen führen. Besonders ältere und immungeschwächte Menschen sind gefährdet. Eine frühe antivirale Behandlung innerhalb von drei Tagen kann den Verlauf deutlich mildern. Die Impfung ist die wirksamste Maßnahme, um sich vor der Erkrankung und ihren Spätfolgen zu schützen.

Quellen und Literaturhinweise

Gershon et al., Nature Reviews Disease Primers, 2015
Marra et al., BMC Infectious Diseases, 2017
Lal et al., New England Journal of Medicine, 2015
Cunningham et al., New England Journal of Medicine, 2016
Soegiarto et al., Pathophysiology, 2023
Strezova et al., Open Forum Infectious Diseases, 2022
Österreichischer Impfplan 2025/2026

Wir danken der Firma GSK für die Unterstützung dieser Fortbildungsveranstaltung.

Bild: Shutterstock

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