Lungenkrebs oft zu spät erkannt

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Anlässlich des Weltlungenkrebstages am 1. August 2023 erinnert die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) an die Wichtigkeit der Lungenkrebs-Früherkennung. Obwohl die Therapiemöglichkeiten von Lungenkrebs während der letzten zehn Jahre laufend verbessert werden konnten, die Therapie immer maßgeschneiderter, wirkungsvoller und zielgerichteter und damit auch nebenwirkungsärmer wurde, besteht weiterhin ein entscheidendes Problem: Die Erkrankung wird meist erst so spät erkannt, dass sie sich bereits in einem weit fortgeschritten Stadium befindet.

Die gute Nachricht: Lungenkrebs zählt zu jenen Krebsarten, bei denen dank laufend neuer Erkenntnisse in der Grundlagenforschung und dem damit verbundenen Wissen über spezifische Tumoreigenschaften (Biomarker) enorme Fortschritte in Diagnostik und Therapie erreicht werden konnten: Standen früher nur Operation, Chemotherapie und/oder Bestrahlung zur Verfügung, haben zielgerichtete Therapien (targeted therapies) und Immuntherapie sowie die Kombinationen der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für enorme Fortschritte in der Behandlung von Lungenkrebs gesorgt: Es kann immer gezielter und individualisierter vorgegangen und Lungenkrebs effektiver behandelt werden.

„Eigentlich könnten wir zufrieden sein“, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernd Lamprecht, Vizepräsident der ÖGP, „denn unser Arsenal im Kampf gegen das Bronchuskarzinom und unser Wissen bezüglich des bestmöglichen Einsatzes der modernen Therapien hat sich enorm erweitert. Dank immer ausgefeilterer molekularpathologischer Methoden kann der jeweilige Tumor immer präziser analysiert werden. All dies zusammen führt dazu, dass innovative, weniger belastende und effektiv wirkende Behandlungsformen immer gezielter und in immer früheren Stadien mit gutem Erfolg zum Einsatz kommen können.“

Späte Diagnose – schlechte Prognose

Die schlechte Nachricht lautet: Da Lungenkrebs lange Zeit völlig symptomlos verläuft, wird er zumeist erst in einem Spätstadium entdeckt: Nur etwa 20 Prozent der Lungenkarzinome werden in Österreich im Frühstadium entdeckt, rund die Hälfte erst im letzten Krankheitsstadium. Während bei frühzeitiger Diagnose und Therapie die 5-Jahres-Überlebensrate rund 90% erreichen kann, bleibt die Prognose bei später Erkennung trotz moderner Therapiemöglichkeiten noch immer weit hinter den Erwartungen und Hoffnungen zurück. Prof. Lamprecht, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz: „Daher ist es erklärtes Ziel der ÖGP, in den nächsten Jahren eine Verbesserung der Früherkennung zu erreichen.“

Lungenkrebs-Screenings zeigen Wirkung                                                           

Immer mehr Daten (1) belegen, dass Lungenkrebs-Screenings zu einer Senkung der Lungenkrebs-Sterblichkeit führen. Lamprecht: „In diversen Studien konnte gezeigt werden, dass mittels regelmäßiger Low-Dose-Computertomographie-Untersuchungen die Lungenkrebs-Sterblichkeit bei Risikogruppen in einem Beobachtungszeitraum von zehn Jahren um bis zu 20 % gesenkt werden konnte. Bei Frauen war der Nutzen einer solchen Vorsorgeuntersuchung mit einer Reduktion von 40-60 % der Sterblichkeit sogar noch deutlicher. Mittels CT-Screening wird Lungenkrebs nämlich wesentlich häufiger in den frühen Stadien I und II entdeckt; Stadien, in denen fast immer noch eine Heilung möglich ist.“

Nichtrauchen nach wie vor der beste Schutz

Die Daten zeigten allerdings auch, dass diese Erfolge nur in Kombination mit Raucher*innen-Entwöhnungsprogrammen erzielt werden können. Eine umfassende Lungenkrebsvorsorge muss daher auch Initiativen zur Raucherentwöhnung bzw. zur Rauchprävention beinhalten. Die Primärprävention, also der Verzicht auf das Rauchen, wird immer unverändert wichtig bleiben. Prof. Lamprecht: „Es ist schon seit langem das Bestreben der ÖGP, diese Erkenntnisse umzusetzen und ein Lungenkrebs-Screening mit einem umfassenden Lungengesundheitsvorsorge- und Früherkennungsprogramm für Österreich zu konzipieren.“

Der Hintergrund: Bei einem Lungenkrebs-Screening können auch andere ernste, noch symptomlose Lungenerkrankungen als Nebenbefunde identifiziert werden. Somit eröffnet ein Lungenkrebs-Screening die Möglichkeit, die Lungengesundheit in Österreich gleich im Hinblick auf mehrere Erkrankungen zu verbessern. „Eine Chance, die wir nützen sollten!“ so der ÖGP-Vizepräsident.

Die flächendeckende Umsetzung eines solchen Programmes wirft allerdings komplexe Fragenstellungen auf. Unter anderem müssen die Kooperation diverser Fachdisziplinen entsprechend organisiert sowie Strukturen und Prozesse fächerübergreifend verbunden und angepasst werden. Die ÖGP wird daher einen Masterplan für die Umsetzung eines solchen umfassenden Vorsorge- und Früherkennungsprogrammes zur Verbesserung der Lungengesundheit in Österreich erarbeiten und lädt alle beteiligten Fachdisziplinen zum interdisziplinären Diskurs, um gemeinsam den bestmöglichen Patient*innenpfad für die Zukunft abzustimmen.

(1) Z.B. Nederlands-Leuvens Longkanker Screenings Onderzoek, NELSON-Trial: H.J. de Koenig et al; Reduced Lung-Cancer Mortality with Volume CT Screening in a Randomized Trial; DOI:10.1056/NEJMoa1911793

Titelbild: vecteezy.com / ranahamid