Keine Angst, aber Respekt vor COVID-19

722

Auch wenn die Zahl an SARS-CoV-2-Infektionen wieder leicht gestiegen ist, besteht kein Grund zur Panik. Jedoch sollten Menschen in Risiko auf jeden Fall an eine Auffrischung denken. Die neuen monovalenten Impfstoffe, die an die Omikron-Subvariante XBB.1.5 adaptiert wurden, sind aktuell Mittel der Wahl. Verimpft werden sie jetzt bei den Hausärzt:innen. Die neue Kampagne „Gemma Boostern“ rund um die COVID-19-Impfung schafft Bewusstsein und informiert darüber, wer sich wann impfen lassen sollte.

Das Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf besteht für ältere Menschen und Personen aus Risikogruppen weiterhin. Selbst bei jungen und bisher gesunden Menschen kann es nach wie vor zu einem schweren Verlauf kommen. „Auch ein sogenannter leichter Verlauf kann sich über mehrere Tage hinziehen und sehr unangenehm sein, vom kompletten Ausfall aller beruflichen und sozialen Aktivitäten ganz zu schweigen“, betont Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Leiterin der Abteilung für Impfwesen im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.

„Angst vor COVID-19 sollte man dennoch nicht haben, aber Respekt wie vor jeder viralen Erkrankung. Besonders Risikogruppen sollten sich der möglichen Auswirkungen bewusst sein und sich daher entsprechend schützen“, ergänzt Dr. Naghme Kamaleyan-Schmied, Vorstandsmitglied der Wiener Ärztekammer. „Je weiter verbreitet SARS-CoV-2 war und je häufiger das Immunsystem der Betroffenen reagiert hat, desto mehr Varianten kamen auf, die vom Immunsystem nicht mehr so gut erkannt werden konnten“, geht Dr. Otfried Kistner, internationaler Impfstoffexperte auf die Virsveränderungen ein. „Diese unterschieden sich auch von Region zu Region. Manche setzten sich durch, andere nicht.“ Die letzte, nun schon seit fast zwei Jahren zirkulierende Variante Omikron hat sich in vielerlei Hinsicht von der Wuhan-Variante entfernt und weitere Subvarianten gebildet.

Impfempfehlung unabhängig von Grundimmunisierung

Wichtig ist, dass sich das Immunsystem auf die Varianten konzentrieren kann, die derzeit global zirkulieren.“ Die neuen monovalenten Impfstoffe, die diesen Herbst verimpft werden, orientieren sich daher an der Variante XBB.1.5. Präklinische Studien haben gezeigt, dass mit diesen Impfstoffen auch die nächsten Untervarianten von XBB immer noch gut abgedeckt sind, einschließlich der neuesten Variante EG.5.1 „ERIS“.

Das Nationale Impfgremium (NIG) hat seine Empfehlungen entsprechend aktualisiert. Da die europäischen Gesundheitsbehörden mittlerweile davon ausgehen, dass Kinder und Erwachsene ab dem vollendeten fünften Lebensjahr mit über 95%iger Wahrscheinlichkeit bereits Kontakt mit dem Virus durch Impfung und/oder Infektion hatten, benötigen sie keine Grundimmunisierung mehr. Das Nationale Impfgremium hat das auch in den Impfempfehlungen für den Herbst berücksichtigt.

„Im Herbst reicht daher eine einmalige Impfung mit dem gegen die Variante XBB.1.5 gerichteten Impfstoff“, erläutert Paulke-Korinek. „Besonders für Risikogruppen und Gesundheitspersonal, aber auch für alle ab dem Alter von 12 Jahren.“ Bei gesunden Personen sei ein Mindestabstand von sechs Monaten zum letzten Kontakt zu Corona in Form von Impfung oder Infektion empfohlen. Für bestimmte Risikopersonen könne dieser Abstand bis auf vier Monate reduziert werden.

Die Impfstrategie hat sich auch dahingehend geändert, dass die COVID-19-Impfung – wie andere Impfungen – vor allem bei niedergelassenen Hausärzt:innen durchgeführt werden können. In einigen Bundesländern gibt es noch weitere Impfoptionen in den Magistraten, öffentlichen Impfstellen und auch in Primärversorgungszentren. Für die Allgemeinmedizinerin Kamaleyan-Schmied ist dies ein wichtiger Schritt: „Vor allem ältere Personen haben die großen Impfstraßen verunsichert. Jetzt wird es wieder normal, in den Ordinationen zu impfen.“

Generell sei es zu begrüßen, dass COVID-19 nun ein Thema für den niedergelassenen Bereich geworden ist. Denn: „Bei uns erhalten die Patient:innen alles aus einer Hand: von Prophylaxe, Diagnose bis hin zur maßgeschneiderten Therapie.“

„Gemma Boostern“

„Aufklärung ist bei Impfungen ein wichtiges Thema. Gerade wenn es um Auffrischungsimpfungen geht, müssen die Menschen erinnert und informiert werden“, erläutert ÖVIH-Präsidentin Gallo-Daniel. Der ÖVIH hat daher eine breite Aufklärungskampagne zur COVID-19-Impfung ins Leben gerufen. „Unser Ziel ist es, die Bevölkerung und vor allem die Risikogruppen über die Wichtigkeit einer Booster-Impfung zu COVID-19 zu informieren“, betont die ÖVIH-Präsidentin. „Daher starten wir ab sofort mit unserem Aufruf „Gemma Boostern“. Weitere Informationen finden Sie unter: gemmaboostern.at