Wenn ein starker Husten bei Kindern länger als vier Wochen andauert, muss dieser ärztlich abgeklärt werden – die Ursachen können vielfältig sein. „Dann sollte man mit dem Kind zum Arzt gehen, um die Ursache zu klären und um Folgeschäden zu verhindern. Dies ist ein ein­­deutiges Warnsignal, das auf eine ernstzunehmende Lungenerkrankung hinweisen kann“, betonte OÄ Univ.-Prof. Dr. Angela Zacharasiewicz, MBA, Oberärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde in der Klinik Ottakring, Wilhelminenspital, Wien, im Rahmen der virtuellen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Der Hustenreflex dient, wie bei Erwachsenen, auch bei Kindern der Reinigung der Atemwege und damit dem Schutz dieses empfindlichen Organsystems. Er ist daher an sich nicht ungesund und kommt bei Kindern sehr häufig vor, weil sie sich in der Schule oder im Kindergarten gegenseitig anstecken. Ursache ist zumeist eine simple Atemwegsinfektion. Entscheidend ist jedoch, ob es auch beschwerdefreie Episoden gibt, das heißt, auch Zeiten oder Tage ohne Husten. Denn dann handelt es sich um rezidivierend (wiederholend) auftretenden Husten im Rahmen rasch aufeinanderfolgender Atemwegsinfektionen.

Wenn aber ein Kind über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen täglich stark hustet, spricht man von chronischem Husten. „Dann sollte man mit dem Kind zum Arzt gehen, um die Ursache zu klären und um Folgeschäden zu verhindern. Dies ist ein eindeutiges Warnsignal, das auf eine ernstzunehmende Lungenerkrankung hinweisen kann“, wie Prof. Zacharasiewicz, stellvertretende Leiterin des Arbeitskreises Pädiatrische Pneumologie der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Ursachen abklären

Die Ursachen für chronischen Husten können vielfältig sein. Ein sehr plötzliches Auftreten von starkem Husten kann zum Beispiel darauf hindeuten, dass ein Fremdkörper eingeatmet wurde, was bei sehr kleinen Kindern vorkommen kann. „Der Fremdkörper muss dann mittels Bronchoskopie möglichst rasch aus den Atemwegen des kleinen Patienten entfernt werden.“ Ein weiterer Grund kann eine durch Bakterien verursachte sogenannte protrahierte bakterielle Bronchitis sein, die sehr selten, aber doch und vor allem bei Kleinkindern und Vorschulkindern auftreten kann.

Luftverschmutzung

Ein Thema beim chronischen Husten ist gleichfalls die Luftverschmutzung in Innen- und Außenräumen. Internationale Studien belegen, dass Kinder, die in stark verkehrsbelasteten Gebieten wohnen, deutlich häufiger in früher Kindheit nächtlichen Husten haben als Kinder in Regionen der Welt mit wenig Verkehr. Je nach Grad der Luftverschmutzung stiegen die Beschwerden der Kinder an. Wie häufig chronischer Husten auftritt, ist stark von der Region bzw. Weltgegend abhängig. Die Verbrennung fossiler Energieträger, vor allem von Diesel, Feinstaub und anderen Schwebstoffen, kann Entzündungen der Atemwege auslösen. Aber auch Zigarettenrauch ist ein möglicher Grund. Denn passives Rauchen kann ein nicht zu unterschätzender Auslöser von chronischem Husten bei Kindern sein. Hier sind die Eltern gefragt, sie sollten vermeiden, Kinder verrauchten Umgebungen auszusetzen. Bei Jugendlichen kann die Ursache darin liegen, dass sie bereits selbst rauchen.

Psychische Ursachen

Einem chronischen Husten können aber auch psychische Ursachen zugrunde liegen. „Der sogenannte Gewöhnungshusten ist ein solcher psychogener Husten. Das Kind hat eine Infektion mit Husten durchgemacht und behält diesen Habitus des Hustens auch ohne organischen Grund weiterhin bei. Der Hustenreiz entsteht also durch Reaktion auf diese ursprüngliche Irritation, wodurch sich ein Teufelskreis aus Irritation und gesteigertem Hustenreiz bildet“, erklärt Prof. Zacharasiewicz. Charakteristisch für diesen eher im Kehlkopf sitzenden Husten ist, dass er sehr laut ist und an das „Bellen“ eines Seehundes erinnert. Nur während des nächtlichen Schlafs „verschwindet“ dieser Husten.

Weiters kann im Zuge von Tic-Erkrankungen Husten auftreten. Auch dieser tritt typischerweise nur im Wachzustand auf. Oft reicht schon aus, dass der Husten angesprochen wird. Wenn die Eltern dem Thema Aufmerksamkeit schenken, beginnt das Kind gleich zu husten. In diesem Fall kann eine sogenannte Suggestionstherapie Abhilfe schaffen, bei der z.B. mithilfe von autogenem Training oder Hypnose gezielt therapeutisch interveniert wird. „Chronischer Husten darf nie auf die leichte Schulter genommen werden, er muss immer ernst genommen und abgeklärt werden. So lassen sich Folgeschäden, die sich mitunter auf das gesamte weitere Leben des Kindes negativ auswirken können, bestmöglich vermeiden“, betonte die auf kindliche Lungenerkrankungen spezialisierte Kinderfachärztin abschließend.