Urlaub und Entspannung sind wichtige Faktoren für die Gesundheit und die Lebensqualität. Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen sollten vor Flugreisen jedoch gewisse Vorkehrungen treffen, damit es nicht zu unangenehmen oder sogar lebensbedrohenden Situationen im Flugzeug kommt. Vor allem, wenn sehr lange Reisen oder in großer Höhe geplant sind. Die British Thoracic Society (BTS) hat nun für Passa­giere mit chronischen Atemwegserkrankungen die Leitlinien für Flugreisen aktualisiert.

Im Allgemeinen gelten Flugreisen für Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen, die sich vor der Reise von einem Lungenspezialisten untersuchen ließen, als sicher. Daher wird allen Betroffenen – aber auch jenen, die eine neue Diagnose bekommen haben – wärmstens empfohlen, sich vor der Flugreise vom Arzt checken zu lassen. Nahrungsmittelallergikern wird generell geraten, an Bord keine Speisen zu sich nehmen bzw. eigene, sichere Nahrungsmittel für den Flug mitzunehmen.

Die neuen BTS-Leitlinien

Die aktualisierten Leitlinien der British Thoracic Society (BTS) richten sich an Erwachsene und Kinder mit folgenden Erkrankungen:
• Atemwegsobstruktion einschließlich Asthma und COPD
• Bronchopulmonale Dysplasie
• Zystische Fibrose (CF)
• Nicht-CF-Bronchiektasen
• Restriktive Atemwegserkrankung einschließlich interstitieller Lungen­erkrankung (ILD), Erkrankungen der Atemmuskulatur und der Brustwand.
• Thoraxchirurgie oder andere interventionelle Verfahren
• Pleuraerkrankung einschließlich Pneumothorax und Pleuraerguss
• Infektionen der Atemwege
• Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) und Adipositas-Hypoventilations-Syndrom (OHS).
• Venöse Thromboembolie (VTE)
• Pulmonale Hypertonie (PH)
• Lungenkrebs und Mesotheliom
• Hyperventilation und dysfunktionale Atmung (DB)

Fliegen mit Asthma und COPD

Neigen Patienten zu langanhaltenden Symptomen und/oder häufigen Exazerbationen ist ein Hypoxie-Belastungstest (HCT) sinnvoll. Damit lässt sich eruieren, ob ein Sauerstoffmangel vorliegt (zusätzlicher Sauerstoffbedarf an Bord). Menschen mit Asthma sollten immer während des Fluges ihre Arzneimittel, das eigene Inhalationsgerät, Spacer sowie Notfallmedikamente, eventuell auch einen Adrenalin-Autoinjektor parat haben. Für Patienten mit schwerem Asthma kann es sinnvoll sein, zusätzlich orale Steroide und einen ärztlichen Therapieplan mitzuführen.

Für Menschen mit COPD gelten im Wesentlichen die gleichen Regeln wie bei Asthma bronchiale – vor der Flugreise unbedingt den Arzt konsultieren und wenn nötig, einen Hypoxie-Test durchführen lassen. COPD-Patienten mit besseren Werten benötigen zumeist während des Fluges keinen zusätzlichen Sauerstoff. Bei vorangegangenem Pneumothorax (PTX) oder einem Lungenemphysem sollte das Komplikationsrisiko durch einen etwaigen reduzierten Kabinendruck eruiert werden. COPD-Patienten müssen sich jedoch bewusst sein, dass eine erhöhte Thromboembolie-Gefahr besteht. Nach einer Exazerbation (plötzliche Verschlechterung) sollten Patienten erst dann wieder fliegen, wenn sich die Erkrankung stabilisiert hat. Verschlechtern sich die Symptome, ist am Zielort vor dem Rückflug eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Problem Zusatzerkrankungen

Liegen typische Zusatzerkrankungen wie eine pulmonale Hypertonie oder koronare Herzkrankheit vor, sollte auch deren potenzielle Beeinträchtigung durch eine Flugreise beachtet werden. Ein Hypoxie-Test ist zu erwägen, falls der SpO2-Wert (SpO2 steht für die periphere kapillare Sauerstoffsättigung, also eine Schätzung der Sauerstoffmenge im Blut) bei körperlicher Anstrengung unter 95 % sinkt. Betroffene benötigen im Flugzeug wahrscheinlich zusätzlichen Sauerstoff.
Nach Operationen und Interventionen im Brustkorb ist zunächst die Einschätzung des durchführenden Arztes ausschlaggebend.

Screening vor dem Flug

Alle Patienten sollten einer sorgfältigen Erstbeurteilung mit Anamnese und körperlicher Untersuchung durch einen kompetenten Facharzt unterzogen werden. Folgende Untersuchungen sind dafür angeraten:
• Überprüfung der Symptome, der Grundbelastung, der jüngsten Exazer­bationsgeschichte, Behandlungen und früheren Erfahrungen mit Flugreisen
• Berücksichtigung der Logistik der beabsichtigten Reise
• Anzahl und Dauer der Flüge, auch tagsüber oder über Nacht
• Ort der Zwischenlandung(en) und Ziel: Diese bestimmen Luftqualität, Höhe und verfügbare medizinische Einrichtungen.
• Zeit außer Haus
• Rückreise
Eine weitere Beurteilung durch einen Atemwegsspezialisten wird für jene Menschen empfohlen, bei denen das Screening Bedenken aufwirft und HCT empfohlen wird.

Patienten, die keinen Hypoxie-Belastungstest (HCT) benötigen:

• Personen mit stabiler Erkrankung, die sich zuvor einer HCT unterzogen haben (keine kürzlichen Krankenhauseinweisungen, Exazerbationen oder signifikante Änderungen der Behandlung)
• Patienten mit COPD mit SpO2-Ausgangswert ≥ 95 % und entweder MRC-Score 1 – 2 oder Entsättigung auf nicht weniger als 84 % während des sechsminütigen Gehtests (6 MWT) oder Shuttle-Gehtests (SWT) sollten in der Lage sein, ohne zusätzlichen Sauerstoff zu fliegen.
• Personen mit vorheriger erheblicher Intoleranz gegenüber Flugreisen, wie z.B. Notsauerstoff oder Umleitung in der Luft. Diese sollten während des Fluges Sauerstoff mit 2 l/min zur Verfügung haben – voraus­gesetzt, dass keine Hyperkapnie (erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut) in der Vorgeschichte vorliegt.
• Frühgeborene, deren Fälligkeits­termin zum Zeitpunkt der Reise noch nicht erreicht ist, da Tests kein zuverlässiger Hinweis auf den Sauerstoffbedarf dieser Säuglinge sind. Diese sollten während des Fluges Sauerstoff zur Verfügung haben, der mit 1 – 2 l/min verabreicht wird, wenn sie Tachypnoe, Rezession oder andere Anzeichen von Atemnot entwickeln.

HCT sollten folgende Patienten durchführen:

• Patienten mit COPD mit Ruhe-SpO2 ≤ 95 %, MRC-Score 3 oder höher oder Entsättigung auf < 84 % und bei denen Bedenken hinsichtlich einer Hyperkapnie bestehen.