Wodurch entsteht Lungenkrebs?

Rauchen ist die mit Abstand wichtigste Ursache des Lungenkrebses. Nur 15 % aller Betroffenen haben niemals geraucht. Umgekehrt entwickelt nicht jeder Raucher eine Krebserkrankung. Die Statistik hat es in sich: das individuelle Schicksal des Einzelnen kann nicht mit Sicherheit abgeleitet werden – in Summe haben Raucher aber sehr schlechte Karten: Lungenkrebs, COPD, Schlaganfall und Herzinfarkt sind nur die häufigsten eindeutig verursachten Erkrankungen.

Die Statistik ist eine Lehre von Wahrscheinlichkeiten und Risiken. Statistische Aussagen werden aufgrund von langfristigen Beobachtungen sehr vieler Menschen und ganzer Völker getroffen. In diese Wissenschaft fließen jahrelange Erfahrungen und Untersuchungen ein. Um den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs zu erkennen müsste man allerdings gar nicht so lange forschen. Ein Besuch auf einer Krebsstation genügt: Fast alle Betroffenen sind Raucher oder haben in früheren Jahren viel und lange geraucht. Nur wenige dagegen fragen sich, warum gerade sie, die sie niemals eine Zigarette angerührt haben, zum Lungenkrebs kommen. Genaues sagt uns wieder die Statistik: Etwa 85 % aller Lungenkrebsfälle stehen in Zusammenhang mit Tabakrauchen. Etwa jeder zehnte Raucher erkrankt im Laufe seines Lebens, im Durchschnitt 30 - 40 Jahre nach dem Rauchbeginn. Das bedeutet, dass wir heute mit Krebserkrankungen konfrontiert sind, deren Ursache eigentlich in die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreicht, denn: in diesem Zeitraum haben die heute Betroffenen zu rauchen begonnen. Da in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Menschen zu Rauchern wurden, ist mit einem ungünstigen Trend in Richtung noch mehr Erkrankungen zu rechnen. Ein Trend der im Gegensatz zu vielen anderen Tumorleiden steht. Ein Beispiel dafür ist der Magenkrebs, der etwa so stark zurückgeht, wie der Lungenkrebs zunimmt.

Früher Einstieg ist besonders schädlich
Es stellte sich heraus, dass ein besonders frühes Einstiegsalter mit erheblich häufigeren Krebsfällen verbunden ist. Ein junger Mensch scheint mit den im Tabakrauch enthaltenen Schadstoffen wesentlich schlechter zurecht zu kommen, als ein Erwachsener. Erschreckende Daten dazu lieferte eine aktuelle Salzburger Untersuchung bei Schülern. Dabei wurden 242 Schulklassen drei Jahre lang von einer Kampagne zur Beurteilung und Vermeidung des Rauchens in der Jugend begleitet. Die Arbeitsgruppe um Univ.Prof. Dr. Josef Riedler von der Kinderklinik Schwarzach-St.Veit beobachtete ein Einstiegsalter zwischen 12 und 13 Jahren. Übrigens: rauchende Jugendliche bringen im Schnitt schlechtere Schulleistungen und sind in ihrem Freizeitverhalten passiver, als nicht rauchende Altersgenossen. Eine hohe Dichte an Zigarettenautomaten im Umfeld begünstigt den Einstieg ebenso, wie reichlich Taschengeld.

Mit den Pack Years steigt das Risiko
Mit der Anzahl der auf ein Menschenleben zusammen gezählten Zigaretten steigt das Risiko für eine Lungenkrebserkrankung. Der Lungenarzt zählt den Tabakkonsum in Pack Years (deutsch: Packungsjahre).

Berechnungsformel für die Pack Years:
Pack years = Zahl der täglich gerauchten Zigarettenpackungen (Inhalt 20 Stück) x gerauchte Jahre

Es konnte gezeigt werden, dass bei Rauchern ab 40 Pack Years ein sehr hohes Erkrankungsrisiko besteht. Dennoch liegt es in der Natur der Statistik, dass für den Einzelnen nicht genau gesagt werden kann, ob und wann er erkrankt. So erkranken zum einen manche Nichtraucher oder Menschen, die wenig oder noch nicht lange geraucht haben, während manche schweren Raucher vom Lungenkrebs verschont bleiben können. Derzeit sind bei Männern sind bis zu 90 %, bei Frauen bis zu 60 % der Fälle auf Rauchen zurückzuführen. Mit dem Rauchen aufzuhören reduziert umgekehrt das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken erheblich.

Vor der Verbreitung des Rauchens war Lungenkrebs selten
Mit dem Rauchen ist ein sehr klarer Risikofaktor bestätigt. Wer nicht raucht, braucht vor dem Lungenkrebs nicht mehr Angst haben, als vor anderen seltenen Krebserkrankungen, die jeden ohne erkennbare Ursache treffen können. Aus der Geschichte wissen wir, dass Lungenkrebs bis zur weit reichenden Popularität des Rauchens eine sehr seltene Erkrankung war. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt dieser Krebs als ausgesprochene Rarität. Das Bild hat sich komplett gewandelt – weltweit ist der Lungenkrebs heute die häufigste bösartige Entartung beim Mann. Bei Frauen ist eine traurige Folge der gesellschaftlichen Entwicklung zu verzeichnen: waren bis in die 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts Raucher überwiegend männlich, gibt es vor allem in jüngeren Altersgruppen heute mehr Raucherinnen als Raucher.

Passivrauchen – mehr als eine Belästigung
Gewiss, selbst geraucht ist die Zigarette am schlimmsten. Doch auch Unschuldige kommen zum Handkuss. Was den Lungenkrebs betrifft ist zwar das allerletzte Wort noch nicht gesprochen, doch mehrere Studien attestieren Passivrauchern ein um 30 bis 40 % erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Außer Zweifel steht zudem, dass Passivrauchen durch Reizung der Schleimhäute und Atemwege zu Gesundheitsstörungen führen kann. Wissenschaftlich kann zwischen dem Hauptstromrauch, den der aktive Raucher inhaliert und dem Nebenstromrauch, der während der Zugpausen von der glimmenden Zigarette ausgeht unterschieden werden. Manche krebserzeugenden Stoffe (Kanzerogene) kommen im Nebenstromrauch, den Personen in der Umgebung einatmen müssen sogar in höherer Konzentration, als im Hauptstromrauch vor. Bei längerem Aufenthalt in verrauchten Räumen sind Nichtraucher durchaus Kanzerogenen in Mengen, welche jenen mehrerer selbst gerauchter Zigaretten entsprechen ausgesetzt. In verschiedenen Studien konnten krebserzeugende Substanzen aus Tabakrauch bei experimentell belasteten Nichtrauchern nachgewiesen werden. Die Konzentrationen dieser Substanzen erreichten dabei bis zu 15 % der bei aktiven Rauchern beobachteten Werte. Für Herz-Kreislauferkrankungen zeigen Passivraucher ebenso ein erhöhtes Risiko. Untersuchungen haben zum Beispiel eine beschleunigte Verdickung von Blutgefäßen beobachtet. Eine Entwicklung, die besonders ausgeprägt war, wenn andere Risikofaktoren, wie etwa Diabetes dazu kamen.

Mindestens 50 krebserregende Substanzen im Zigarettenrauch
Die dauerhafte Belastung der Bronchien durch das Rauchen steigert das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken erheblich. Der Zigarettenrauch bzw. die darin enthaltenen Stoffe schädigen die Schleimhaut und können die Entartung der Schleimhautzellen fördern. Im Tabakrauch wurden etwa 50 Stoffe als eindeutig krebserregend identifiziert. Zu diesen Substanzen gehören besonders die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe in der Partikelphase (Ruß), sowie Nitrosamine und zahlreiche andere krebserregende Verbindungen in der Gasphase (Rauch). Bis heute gibt es keine Möglichkeiten, diese Substanzen vollständig zu eliminieren, Zigarettenfilter verringern viele, bei weitem aber nicht alle. Es konnte gezeigt werden, dass Zigaretten mit geringerem Nikotingehalt keineswegs gesünder, als herkömmliche Produkte sind. Die entsprechenden Bezeichnungen ‚leicht’ oder ‚light’ sind irreführend und daher in manchen Ländern verboten worden. Übrigens: Nikotin selbst ist nicht krebserregend. Es ist ein Suchtgift, welches den Raucher immer wieder zur Zigarette greifen lässt. Eine medikamentöse Nikotinersatztherapie mit Kaugummis, Inhalatoren, Pflaster usw. ist daher sicher nicht krebsgefährlich, sondern hilft dem Abhängigen von der Zigarette los zu kommen. Weil bisher nur von Zigaretten die Rede war: auch bei Zigarren- und Pfeifenrauchern ist das Lungenkrebsrisiko höher als bei Nichtrauchern. Es hängt davon ab, wie viele Zigarren oder Pfeifen pro Tag geraucht wurden und wie tief der Rauch inhaliert wurde. Auch ohne Inhalation des Rauches, ist die Gefahr von Lungen-, Mundhöhlen- und Zungenkrebs, sowie Krebserkrankungen der Luft- und Speiseröhre deutlich erhöht. Die anderen genannten Tumorerkrankungen betreffen aber genauso die Zigarettenraucher!

Aufhören lohnt sich!
Das Lungenkrebsrisiko von Menschen, die mit dem Rauchen aufgehört haben, nimmt kontinuierlich wieder ab. Es verringert sich bereits nach fünf Jahren um 60 Prozent und nach 15 bis 20 Jahren um bis zu 90 Prozent. Es lohnt sich also immer, auch im fortgeschrittenen Alter mit dem Rauchen aufzuhören! Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die verschiedenen Möglichkeiten zur Raucherentwöhnung. Er wird Ihnen gerne Hilfestellung beginnend bei Beratung über Akupunktur bis hin zur medikamentösen Nikotinersatztherapie anbieten. Professionelle Raucherentwöhnung steigert den Erfolg eines Entzugs deutlich – selbst stark abhängigen Rauchern kann eine echte Chance zum dauerhaften Ausstieg gegeben werden.

Asbestfasern verursachen Tumore des Rippenfells
Berufliche Belastungen durch Staubpartikel verschiedenster Herkunft wurden immer wieder angeschuldigt, an der Krebsentstehung beteiligt zu sein. Ein klarer Beweis blieb oftmals allerdings aus. Vielmehr scheinen selbst ausgeprägte Belastungen etwa bei Arbeitern in Kohlebergwerken in Hinblick auf das Krebsrisiko wenig bedrohlich zu sein. Diese Bergleute zeigen zwar vollkommen kohlschwarze Lungen und sind durch die Ablagerungen in Hinblick auf die Lungenfunktion beeinträchtigt. Die zugrunde liegende Krankheitsgruppe wird Pneumokoniosen genannt. Beweise für ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko konnten nur bei Asbeststäuben und seltenen Metallen wie Uran, Nickel, Chrom und Cadmium gefunden werden. Asbest, eigentlich nicht als Staub, sondern als winzig feine Fasern vorliegend, lagert sich in der Lunge ab und ruft Entzündungen, aber auch den Rippenfellkrebs (Pleuramesotheliom) hervor. Diese bösartige Krebserkrankung geht nicht direkt von der Lunge aus und ist dank weitgehenden Verzichts auf den Werkstoff Asbest selten. Mit dem klassischen durch Rauchen ausgelösten Bronchuskarzinom haben Asbestfasern nichts zu tun. Die besondere Schwierigkeit der Abschätzung des Risikos durch berufliche Ursachen liegt im häufig gleichzeitigen starken Zigarettenkonsum bei diesen Berufsgruppen. Epidemiologische Untersuchungen sprechen dafür, dass die Kombination von Zigarettenrauchen und beruflichen Ursachen zu einer erheblichen Erhöhung des Lungenkrebsrisikos führen kann.

Radon kann Lungenkrebs auslösen
Radon ist ein unsichtbares, geruchloses, radioaktives Edelgas, das in der Natur im Boden und in Felsen vorkommt. Überdurchschnittliche Radonkonzentrationen im Lebens- oder Arbeitsbereich sind mit einer höheren Lungenkrebsrate assoziiert. Besonders Bergleute können Radon ausgesetzt sein, früher wurden Kranke zur Kur in Radonstollen geschickt. In manchen Regionen ist Radon in Wohnhäusern, besonders in schlecht gelüfteten Betonkellern oder in Kellerwohnungen nachweisbar. Wenn Personen, die aufgrund einer Radonbelastung ohnehin gefährdet sind, zusätzlich rauchen, steigt das Lungenkrebsrisiko stark an.

Ein spezielles Vererbungsmuster ist nicht bekannt
Besonders bei den zehn bis fünfzehn Prozent Nichtrauchern unter den Lungenkrebspatienten scheinen ererbte Faktoren bei der Entstehung eine Rolle zu spielen. Verwandte von Lungenkrebspatienten haben ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Welchen Einfluss genetische Faktoren haben und wie häufig sie tatsächlich an der Entwicklung von Lungenkrebs beteiligt sind, ist noch in weiten Teilen ungeklärt. Ein klares Vererbungsmuster oder eine starke familiäre Häufung wie sie bei einigen Krebserkrankungen beobachtet werden, bestehen für den Lungenkrebs nicht. Vorbeugend sollten Angehörige von Betroffenen dennoch auf das Rauchen verzichten und auch passiven Belastungen nach Möglichkeit aus dem Weg gehen. Ebenfalls eine geringe, aber erwähnenswerte Bedeutung haben vorangegangene Lungenerkrankungen. Es konnte gezeigt werden, dass beispielsweise in alten, abgeheilten Tuberkuloseherden vermehrt Lungenkrebs auftritt.

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