Tumorstadien

Die aktuelle Ausbreitung eines Bronchuskarzinoms ist die wichtigste Grundlage für das weitere Vorgehen. Eine international eingesetzte Klassifikation bewertet die Tumorausbreitung in verschiedenen Stadien. Jedem Stadium entspricht eine statistische Prognose, je geringer die Ausbreitung, desto besser die Heilungs- und Überlebenschancen. Auch die Therapie orientiert sich am Fortschreiten des Krebsleidens.

Neben dem Gewebetyp entscheidet vor allem die Ausbreitung eines Tumors darüber, ob und wie er heilbar ist. Je größer und ausgedehnter das Krebsgeschwür gewachsen ist, desto schwieriger wird eine vollständige Entfernung. Das Vorliegen von Lymphknoten- und Fernmetastasen beeinträchtigt die Heilungschancen erheblich. Auch die Therapie muss dem Tumorstadium angepasst werden. Während ein lokal begrenzter Krebs durch eine relativ kleine Operation vollständig entfernt werden kann, müssen große Tumore ausgedehnter operiert werden. Wenn Lymphknotenmetastasen vorliegen kann eine Nachbestrahlung notwendig werden. Und wenn ein Mensch bereits zahlreiche Metastasen im Körper trägt, hat eine Operation keine Aussicht auf Erfolg und würde nur eine Belastung für den Betroffenen bedeuten. Es ist also ungemein wichtig, die Ausdehnung des Krankheitsprozesses möglichst präzise zu kennen. Deswegen durchlaufen alle Menschen mit neu entdecktem Lungenkrebs ein sehr aufwändiges Untersuchungsprotokoll, das Staging, in dessen Zentrum die Computertomographie des Thorax steht. Beim Staging, dieser Begriff stammt vom englischen Wort ‚stage’ für Stadium, wird sowohl die lokale Ausdehnung des Lungenkrebses beschrieben, als auch nach möglichen Metastasen gesucht. Dazu muss der Untersucher die typischen Metastasierungswege des Bronchuskarzinoms kennen: Nebenniere, Leber und Gehirn sind die häufigsten Ziele der bösartigen Aussaat. Auf diese Organe legt der Röntgenarzt besonderes Augenmerk. Mitunter kann das genaue Tumorstadium erst bei oder nach einer Operation festgelegt werden, wenn die Lymphknoten direkt zugänglich gemacht worden sind.

TNM – Tumor, Nodulus, Metastase
Das international anerkannte TNM Stagingsystem bewertet die Ausdehnung des Lungenkrebses in festgelegten Stadien nach drei Gesichtspunkten:

  • T – Tumor: wie ist der Primärtumor ausgebreitet?
  • N – Nodulus (lat. Lymphknoten): liegen Lymphknotenmetastasen vor?
  • M – Metastase: liegen Fernmetastasen vor?


Daraus ergibt sich ein Diagnosekürzel, z.B. T2 N1 M0, welches dem Arzt einen raschen Überblick über die Krebserkrankung eines Patienten gibt. Das TNM System gilt nicht nur für das Bronchuskarzinom, sondern findet bei fast allen Krebserkrankungen Anwendung. Wichtig ist, dass es nur für nicht-kleinzellige Bronchuskarzinome verwendet wird.

Das TNM Staging im Detail

Tis Die Vorstufe des Lungenkrebses, das so genannte Karzinoma in situ wird auch Stadium 0 genannt. Ein Sonderfall, bei dem der histologisch bösartige Tumor noch gänzlich auf die Epithelschicht der Bronchien begrenzt ist und noch keinen Anschluss an Gefäße erlangen konnte. Dieses Stadium kann noch keine Metastasen verbreiten und ist immer vollständig heilbar. Leider sind Tis Stadien sehr seltene Zufallsbefunde, wenn eine Bronchoskopie aus einer anderen Indikation heraus durchgeführt wurde.
Tx Ein weiterer Sonderfall: hier fanden sich zytologisch Krebszellen, der Tumor dazu ist aber nicht entdeckt worden. Eine Situation, die engmaschiger Kontrolle bedarf.
T1 Dieses Stadium beschreibt einen Primärtumor unter 3 cm Größe, ohne Beteiligung der Pleura.
T2 Hier ist der Tumor größer als 3 cm, oder der Lungenhilus ist mit betroffen.
T3 Dieses Stadium beschreibt ein Einwachsen des Tumors in die Brustwand, das Zwerchfell oder den Herzbeutel. Wenn das der Fall ist, spielt die Größe des Tumors keine Rolle.
T4 Im fortgeschrittensten Stadium hat der Primärtumor das Mediastinum, das Herz, die Luft- oder Speiseröhre, oder große Gefäße befallen bzw. es liegt ein maligner Pleuraerguss vor.
N0 Keine betroffenen Lymphknoten.
N1 Befallene Lymphknoten am Lungenhilus der gleichen Seite
N2 Befallene Lymphknoten im Mediastinum der gleichen Seite
N3 Befallene Lymphknoten auf der dem Tumor gegenüberliegenden Seite oder über dem Schlüsselbein (supraclaviculär).
M0 Keine Fernmetastasen
M1 Fernmetastasen

Neben dem TNM Staging hat sich in der Praxis eine Einteilung in vier Tumorstadien bewährt:

Stadium 0 – das Karzinoma in Situ.
Stadium I – der Tumor ist auf einen Lungenflügel begrenzt.
Stadium II – der Tumor hat zusätzlich mindestens einen gleichseitigen Hiluslymphknoten befallen.
Stadium III – der Tumor hat sich lokal stark ausgebreitet und benachbarte sowie entfernte Lymphknoten befallen. Fernmetastasen liegen aber nicht vor.
Stadium IV – es liegen Fernmetastasen vor. Wenn dies der Fall ist, spielt die lokale Ausbreitung des Krebses keine Rolle für die Zuordnung des Stadiums.

Häufig wird neben dem Staging auch das histologische Grading angegeben, welches den Entartungsgrad der Tumorzellen in vier Stufen von G1 (gut differenziert) bis G4 (völlig undifferenziert) beschreibt. Eine Sonderstellung nimmt das kleinzellige Bronchuskarzinom ein:

Staging beim kleinzelligen Lungenkrebs
Für das kleinzellige Karzinom wird lediglich zwischen einem begrenzten (limited disease) und einem ausgebreiteten oder fortgeschrittenen (extended disease) Stadium unterschieden. Beim begrenzten Stadium ist das Krankheitsgeschehen auf einen Lungenflügel beschränkt. Alle weiter ausgebreiteten Formen werden als fortgeschrittenes Stadium zusammengefasst. Die beiden Ausdehnungsstadien unterscheiden sich deutlich in Bezug auf die Prognose: Während bei der begrenzten Form eine Zwei-Jahres-Überlebensrate zwischen 20 und 30 % besteht, leben nach zwei Jahren ab Diagnosestellung weniger, als 10 % aller Patienten mit der ausgebreiteten Erkrankung.

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