Krebszellen

Im Gegensatz zu gesundem Gewebe vermehren sich Krebszellen unkontrolliert. Dadurch wachsen Tumore in ihre Umgebung ein und verbreiten Tochtergeschwülste, die Metastasen. Durch Schäden an der Erbsubstanz können vormals gesunde Zellen zu Krebszellen werden. Verschiedene Sicherungsmechanismen schützen vor dieser Entartung, erst wenn mehrere von ihnen zugleich ausfallen, kann ein Tumor entstehen. Einmal entartet kennt Krebsgewebe nur noch ein Ziel: Wachstum und Vermehrung um jeden Preis. Erst wird das befallene Organ, dann der gesamte Körper von den Krebszellen durchwachsen und zerstört.

Unter Entartung versteht man die Eigenschaft einer Tumorzelle, sich ohne äußeren Anlass zu vermehren. Anders als beim natürlichen Wachstum von Zellen, etwa im Lauf der Entwicklung, aber auch bei der Wundheilung oder einfach beim Wachsen der Haare ist Tumorwachstum autonom. Das bedeutet, die Zellen teilen völlig selbständig, weil natürliche Begrenzungen ausgefallen sind.

Normalerweise ist das Wachstum von Geweben sehr exakt gesteuert und zahlereichen Einflüssen unterworfen: Signalstoffe und Hormone, das Nährstoffangebot und zahlreiche Schutzmechanismen der Zelle selbst und der Zellen untereinander regulieren die Zellteilung. Tumorzellen aber vermehren sich ungebremst und ohne Rücksicht auf ihre Umgebung. Während gesunde Zellen niemals in andere einwachsen oder sie überwuchern würden, haben Krebszellen diese Hemmung verloren.

Gutartige Tumore verbreiten keine Metastasen
Die Eigenschaft der Entartung und des überschießenden Wachstums haben alle Tumore gemeinsam. Was also macht einen Tumor gut- oder bösartig? Der wesentliche Unterschied liegt in der Metastasierung, der Absiedelung von Tochtergeschwülsten, welche nur von bösartigen Tumoren, also Krebs betrieben wird. Die Unterscheidung in gut- und bösartig geht nicht immer mit den Konsequenzen für den Patienten konform.

Unter den gutartigen Tumoren gibt es tatsächlich völlig harmlose Erscheinungen, jedes Muttermal ist ein Tumor im engeren Sinn. Doch manche per Definition durch den Pathologen gutartige Gewebe können für den Betroffenen doch problematisch werden, etwa wenn sie so groß sind, dass sie Druck auf ihre Umgebung ausüben. Trotzdem siedeln gutartige Geschwüre niemals Metastasen ab und sind so in der Regel heilbar, wenn man sie vollständig entfernt.

Metastasen entstehen durch verstreutes Tumorgewebe
Metastasen entstehen, wenn bösartige Tumorzellen von der Oberfläche des Primärtumors abgelöst und über Blut- oder Lymphgefäße an entfernte Orte vertragen werden. So gelangen sie in andere Organe des Körpers, wo sie durch ihre ungehemmte Vermehrung rasch anwachsen und an Größe gewinnen. Die Metastasen oder Sekundärtumore zerstören dann wieder die befallenen Organe. Jeder Krebs hat typische Metastasierungswege: Das Bronchuskarzinom entwickelt Tochtergeschwülste bevorzugt in der Nebenniere, dem Gehirn, der Leber und den Knochen. Von diesen über das Blut verbreiteten Fernmetastasen sind die Lymphknotenmetastasen zu unterscheiden. Sie entstehen wenn Krebszellen über Lymphbahnen verstreut werden und in nahe gelegenen Lymphknoten anwachsen.

Der Arzt spricht in diesem Fall von ‚befallenen’ Lymphknoten, je weiter sie vom eigentlichen Tumor entfernt sind, desto fortgeschrittener ist die Ausbreitung des Krebsleidens. ‚Freie’ also nicht befallene Lymphknoten sind dagegen ein prognostisch sehr günstiges Zeichen. Sie zeigen an, dass der Krebs noch auf die Lunge begrenzt ist und Fernmetastasen unwahrscheinlich sind. Es ist diagnostisch sehr wertvoll, umgebende Lymphknoten im Rahmen einer Operation frei zu legen und histologisch zu überprüfen.

Viele bösartige Tumore sind nur in Frühstadien heilbar
Eine Metastasierung kann nur erfolgen, wenn ein Tumor eine gewisse Ausbreitung erreicht hat. Dazu muss er durch sein Wachstum gewisse Gewebegrenzen überschreiten und in erster Linie Anschluss an Blut- oder Lymphgefäße erreichen. Manche Krebse metastasieren sehr früh, andere erst nach vielen Jahren. Beim Lungenkrebs ist mit einer frühen Metastasierung zu rechnen, aufgrund der geringen Frühsymptomatik werden viele Fälle erst in einem nicht mehr operabeln Stadium entdeckt.

Solange ein Krebs keine Metastasen im Körper des Betroffenen verstreut hat, besteht die Möglichkeit einer Heilung durch die Operation: Gelingt es nämlich, alles Krebsgewebe komplett herauszuschneiden, ist der Tumor eliminiert. Auch einzelne Metastasen können unter Umständen erfolgreich entfernt werden. Ist ein Mensch hingegen im Spätstadium eines Krebsleidens voll verstreuter Metastasen, ist eine Heilung nicht mehr erzielbar. Dennoch können in späten Stadien auch operative Eingriffe sinnvoll sein, etwa wenn eine Metastase auf einen Nerv drückt und Schmerzen bereitet.

Drei Strategien gegen den Krebs
Grob gesprochen kennt die Tumortherapie drei Verfahren gegen die Ausbreitung von Krebszellen: Operation, Chemotherapie und Bestrahlung kommen oft gemeinsam zum Einsatz. Je nach Art und Lokalisation des Tumors ist eine der Techniken am erfolgreichsten. Während manche Krebszellen überhaupt nicht auf eine Chemotherapie ansprechen, kann eine Strahlentherapie wirksam sein. Andere Tumore können aufgrund ihrer Lokalisation und Größe inoperabel sein, aber gut durch die Chemotherapie angegriffen werden. Beim Lungenkrebs hängt die Wahl der Therapie in erster Linie vom Stadium der Ausbreitung und vom histologischen Typ des Tumors ab.

Viele weitere Gesichtspunkte spielen bei der Entscheidung mit: verträgt ein Patient von seinem Allgemeinzustand her die Belastung der Operation überhaupt? Will der Patient eine Operation? Besteht die Möglichkeit einer vorbereitenden oder anschließenden Chemotherapie? Betroffene sollten ihre Befunde und die Heilungschancen mit den behandelnden Ärzten ausführlich besprechen und überlegen, welche Behandlungsstrategien in Frage kommen. Ihre Ärzte werden Sie beraten und Ihnen das am besten geeignete Verfahren vorschlagen – Ihre Einwilligung ist aber die Voraussetzung für jede der genannten Methoden.

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