Wie behandelt man Urtikaria?

Die Therapie mit Medikamenten sieht bei allen chronischen Urtikariaformen gleich aus.

Abbildung: vgl Maurer et al.: Allergo J 2013, 22(5)


Nach einem dreistufigen Schema werden folgende Medikamente verwendet.

Antihistaminika
diese auch Allergikern wohlbekannten Medikamente, die den Wirkungen des Histamins entgegenwirken, werden zuerst verwendet. Zu Beginn wird eine einfache Tagesdosis empfohlen, die auch für Allergiker üblich ist. Das entspricht zum Beispiel 5mg bei Levocetirizin oder Desloratadin, das sind 10mg bei Cetirizin, Loratadin, das sind 20mg bei Bilastin und schließlich 180mg bei Fexofenadin.
Wenn nach 2 Wochen kontinuierlicher Einnahme des Antihistaminikums immer noch Beschwerden bestehen, kann die Dosis vom Arzt manchmal wesentlich höher verordnet werden. Bis zum Vierfachen dessen, was in der Packungsbeilage als übliche Dosis angegeben wird. Gefährlich ist das nicht. Allerdings führen die hohen Dosen bei manchen Menschen zu Müdigkeit oder Schläfrigkeit.
Etwa zwei Drittel aller Urtikaria-Patienten können mit Antihistaminika und anderen, nicht-medikamentösen Maßnahmen gut mit der Krankheit leben. Für das restliche Drittel stehen jedoch noch weitere Möglichkeiten zur Verfügung.

Leukotrienantagonisten
Leukotriene sind Botenstoffe, die bei Entzündungen entstehen und bei der Entstehung von Asthmasymptomen wie Schwellungen und Verengungen der Atemwege mitwirken. Auch dieses Medikament wird daher primär bei Asthmatikern eingesetzt, wirkt aber auch bei manchen Urtikaria-Patienten.

Leukotrien-Antagonisten wie z.B. Montelukast heben die Effekte der entzündungsfördernden Leukotriene auf. Sie gelten jedoch als schwächer wirksam als Antihistaminika.

Cyclosporin A
Cyclosporin A unterdrückt das Immunsystem und damit auch die Mastzellen. Es wird auch bei schwerer Psoriasis, schwerer atopischer Dermatitis oder bei der chronischen Polyarthritis/Rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Es ist aber zum Teil mit - auch schweren - Nebenwirkungen behaftet und daher muss die Therapie gut überwacht werden.


Omalizumab (neu in der Therapie)
Ein neues Medikament ist Omalizumab. Auch dieses Medikament wurde ursprünglich gegen Asthma entwickelt. Nur durch Zufall entdeckte man seine Wirksamkeit gegen Urtikaria. Omalizumab wird nicht als Tablette eingenommen, sondern unter die Haut gespritzt. Omalizumab wirkt gegen das Immunglobulin E, kurz IgE. Eigentlich spielt dieses Immunglobulin - so dachte man zumindest bisher - bei den meisten Formen der Urtikaria nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings ist bekannt, dass IgE bei Allergikern eine sehr wichtige Rolle in der Aktivierung der Mastzellen besitzt. Vermutlich behindert die Blockade des IgE durch Omalizumab einfach die Aktivität der Mastzellen oder die „Kaskade“, die zu immer weiteren Quaddeln und Angioödemen führt.
Es gibt zahlreiche Klinische Studien, die zeigen, dass Omalizumab gut und sicher vor allem aber meist sehr rasch wirkt.

Sollten die Beschwerden mit diesem Therapieschema kurzfristig nicht zu kontrollieren sein, kann Kortison als Tablette oder als Spritze eingesetzt werden. Dies soll stets als Einmaltherapie oder als Kurzzeittherapie angelegt sein. Eine dauerhafte Behandlung mit Kortison ist bei Urtikaria nicht geeignet.

Weitere Verfahren
Zu den experimentellen symptomatischen Verfahren gehören beispielsweise Behandlungen mit Probiotika, die sogenannte Histamingewöhnungstherapie (mit Histaglobin), autologe Vollblutinjektionen und die Akupunktur.

Notfallset
Bei schwerer chronischer Urtikaria, z.B. beim Auftreten von Schleimhautschwellungen mit Schluckbeschwerden und Atemnot, wird das ständige Mitführen eines sogenannten Notfallsets empfohlen, mit dem sich schwere Urtikariaschübe kontrollieren lassen. Meist enthalten solche Notfallsets ein schnell wirksames Kortisonpräparat sowie ein Antihistaminikum.

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