Wie behandelt man Neurodermitis?

Ganzheitliche Behandlung ist wichtig!
Da diese über Monate und Jahre bestehende Erkrankung sehr vielfältig ist und aus einer Reihe von Faktoren besteht, muß das Behandlungskonzept ein ganzheitliches sein!

Die Therapie sollte im Idealfall aus 7 Behandlungspfeilern bestehen.

1. Behandlung der allergischen Entzündung

Für die Behandlung der Entzündung steht seit Jahren Cortison in verschiedensten Salbenzubereitungen und Konzentrationen zur Verfügung. Für akute, schwer verlaufende Formen der Neurodermitis, die mit starker Bläschenbildung und Juckreiz einhergehen, stellt diese Substanz die wirksamste Behandlungsmöglichkeit dar. Natürlich muß man wissen, welche Cortisone in welcher Dosierung und wie lange verwendet werden dürfen, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Leider sind viele Eltern von einer Cortisonangst besetzt, die völlig unbegründet ist, wenn der behandelnde Arzt mit dieser so wirksamen Substanz richtig umzugehen weiß.

Die ersten Vertreter einer neuen Substanzklasse (Tacrolimus und Pimecrolimus) bieten heute eine vergleichbare Wirkung zu starken Kortisonsalben allerdings mit einem deutlich besseren Verträglichkeitsprofil. Diese Substanzen bewirken keine Hautverdünnung (Hautatrophie) und keine Pigmentverschiebungen. Sie können daher auch im Gesicht und sogar an den Augenlidern angewendet werden. Als einzige unerwünschte Nebenwirkung verspüren die Patienten 15 Minuten lang nach dem Auftragen des Präperates ein Brennen und etwa 2 Stunden lang einen Juckreiz, doch verschwinden diese Nebenwirkungen noch in der ersten Therapiewoche mit der Besserung des Hautzustandes. Jene Hautpartien, die mit diesen Substanzen behandelt werden, sollten vor Sonnenbestrahlung und UV-Licht geschützt werden, damit keine Schädigung der kranken und durch das Medikament sensibilisierten Haut durch UV-Strahlen provoziert wird.

2. Behandlung einer bakteriellen Superinfektion

Fast alle Ekzemherde bei Kindern sind mit Bakterien, besonders Staphylokokken besiedelt, die die Entzündung noch weiter unterhalten können. Daher müssen viele Kinder zu Beginn antibakteriell behandelt werden, wozu desinfizierende Bäder mit Kaliumpermanganat oder Betaisodona, in schweren Fällen Antibiotika, verwendet werden können.

3. Unterdrückung von Juckreiz und Kratzen

So lange Juckreiz besteht und der Patient zum Kratzen genötigt ist, wird die Neurodermitis nicht abheilen können. Denn durch das Kratzen werden Entzündungssubstanzen in der Haut freigesetzt, die Ekzemherde provozieren können, die dann wieder Juckreiz und Kratzen bedingen. Dieser Teufelskreis von Juckreiz-Kratzen-Juckreiz muss unbedingt unterbrochen werden.

Neben den kortisonhältigen Salben eignen sich hierzu kühle Umschläge und kalte Duschbäder. Oft braucht man dagegen Medikamente, Anti-Histaminika (Zyrtec oder Clarityn) die für 3 bis 6 Wochen verabreicht werden.

Zudem ist das Tragen kühlender Kleidung und das Achten auf eine kühle feuchte Umgebungstemperatur bzw. Raumluft zu empfehlen.

Schulkinder kann man zudem anlernen, durch autogenes Training ihren Juckreiz zu beherrschen.

4. Behandlung der gestörten Hautbarriere

Neurodermitis Patienten brauchen sogenannte Basisexterna. Das sind Salbenzubereitungen, die individuell mit verschiedenem Fett-bzw. Wassergehalt angepasst werden. Besonders wirksam, um die trockene und wasserdurchlässige Haut zu normalisieren, ist der Zusatz von Feuchthaltesubstanzen wie Harnstoff und Milchsäure. Auch Ölbäder wirken günstig.

5. Ausschalten von Hautirritationen

Kinder mit Neurodermitis sollten keine Schafwolle und synthetikhältige Wäsche tragen, sondern nur solche aus reiner Baumwolle oder Leinen, auch soll die Kleidung besonders locker und kühlend sein.

Diese Kinder sollten auch zu heiße Bäder meiden, sollten in keine Sauna gehen und Schwitzen vermeiden, außerdem keine Seifen und Weichspüler verwenden, sondern möglichst kühl baden bzw. duschen und alkalifreie Seifen verwenden.

6. Allergenentzug

Immer muss einem bewusst sein, dass die Neurodermitis durch Substanzen, die von den Patienten als Allergene empfunden werden, unterhalten wird.

Dazu zählen in erster Linie Nahrungsmittelalergene, die besonders bei Säuglingen und Kleinkindern für die Neurodermitis verantwortlich sind: Es sind Kuhmilch, Eier, Soja, Meeresfische, Nüsse oder Schokolade. Während die letztgenannten vier Nahrungsmittel in der Ernährung eines Säuglings oder Kleinkindes ohnedies nicht notwendig sind, kann auf Milch und Eier eine Allergentestung erfolgen. Bei hoch positiven Ergebnis sollten diese beiden Nahrungsmittel dann vermieden werden. Bei Schulkindern und Jugendlichen spielen Nahrungsmittelallergene als Ursache der Neurodermitis keine so große Rolle mehr: Nur mehr bei 5 bis 10 Prozent sind sie für die Neurodermitis verantwortlich. Auslöser für die Hautreaktionen sind meist Allergene aus der Luft, wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierepithelien, weshalb auf eine entsprechende Wohnungssanierung und Vermeidung von Haustieren geachtet werden sollte.

7. Psychische Stabilisierung

Viele der Neurodermitis Kinder sind leicht erregbar, depressiv und introvertiert. Sie haben Schlafstörungen und leiden unter ihrer Krankheit und den damit verbundenen Einschränkungen. All dies kann eine Neurodermitis verschlechtern, ja manchmal sogar einen Rückfall verursachen.

Daher muss man bei der Behandlung eines Neurodermitiskindes immer auch auf eine entsprechende psychische Stabilisierung achten, wozu oft eine Erziehungsberatung oder eventuell eine Psychotherapie notwendig sein können.

 

Impressum
© Lungenunion 2014