Gesundheit in allen Bereichen der Politik (Health in all policies)

Beim European Health Forum Gastein (EHFG) wurde am 1. Oktober die von der EU vorangetriebene Initiative „Health in All Policies“ (HiAP) diskutiert. Gesundheit ist und kann ja nicht nur ein Thema im zuständigen Gesundheitsministerium sein, viele wichtige Einflussfaktoren auf die Gesundheit finden sich außerhalb des Gesundheitssystems, zum Beispiel im Bereich der Arbeitsmarkt-, Bildungs-, Sozial-, Umwelt-, Verkehrs- oder Wirtschaftspolitik. Was sich z.B. in der Lebenserwartung, in der Entstehung von chronischen Krankheiten oder in der Anzahl der gesunden Lebensjahre niederschlägt. Bei der Zahl der Lebensjahre in Gesundheit hat Österreich einen erheblichen Aufholbedarf. Anstrengungen aller Politikbereiche sind gefordert, um das Ziel einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik zu erreichen.

Die Erhaltung und Förderung der Gesundheit hat zahlreiche ökonomische, soziale und rechtliche Dimensionen. Der Gesundheitssektor besitzt in vielen hochentwickelten Ländern – eine große gesamtwirtschaftliche Bedeutung. Die Erhaltung und Förderung der Gesundheit ist von zahlreichen Dienstleistungen abhängig, die in der Interaktion vieler Beteiligter erbracht werden und nur durch komplexe institutionelle Netzwerke funktionieren.

Ziele des Health in all Policies Ansatzes sind die Verbesserung von Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention, Gesundheitssicherung und eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, insbesondere benachteiligter Bevölkerungsgruppen.

Weltgesundheitserklärung

Die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitserklärung (WHO) haben bereits 1998 in einer Grundsatzerklärung festgestellt, dass es zu den Grundrechten eines jeden Menschen gehört, sich der bestmöglichen Gesundheit erfreuen zu können. Die Verbesserung der Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen stellt demnach das Ziel der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung dar. Die Mitgliedstaaten erklärten, dass sie sich Chancengleichheit, Solidarität, sozialer Gerechtigkeit und einer Perspektive, die unterschiedliche Bedürfnisse von Männern und Frauen berücksichtigt, verpflichtet fühlen.

Ottawa Charta

Gesundheit und soziale Faktoren beeinflussen sich gegenseitig. Untersuchungen zeigen, dass geringeres Bildungsniveau, geringes Einkommen und niedriger beruflicher Status häufig mit einem schlechten Gesundheitszustand zusammenhängen. Daten über den Gesundheitszustand der Bevölkerung zeigen beispielsweise, dass Männer und Frauen mit Hochschulabschluss mit einer höheren Lebenserwartung rechnen können als Personen mit Pflichtschulabschluss (Statistik Austria).

Die „Ottawa Charta“ der WHO ruft deshalb zu einem koordinierten, gemeinsamen Handeln verschiedener Politikfelder auf, was zu einer größeren sozialen Chancengleichheit führen soll. Diese ist wiederum eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit.

Über gemeinsame Bereiche  wie Bildung, Einkommen und sozioökonomischer Status ist die Bevölkerungsgesundheit mit nahezu allen Politiksektoren verwoben.

HiAP steht in engem Zusammenhang mit einer zunehmend alternden Bevölkerung und einer damit einhergehenden Tendenz zu vermehrtem Auftreten chronischer Krankheiten. Ziele des HiAP-Ansatzes sind die Verbesserung von Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention, Gesundheitssicherung und eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, insbesondere benachteiligter Bevölkerungsgruppen.

Vytenis Andriukaitis, EU – Kommissar für Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit

erklärte der Österreichischen Lungenunion: „Ich werde nie müde zu betonen, dass wir eine große Veränderung in der Art und Weise brauchen, wie wir unsere Gesundheitssysteme finanzieren, organisieren und betreiben. Wir brauchen mehr öffentliche Gesundheit. Wir brauchen mehr Prävention. Und dafür brauchen wir sicherlich ein besseres Verständnis, dass die Gesundheit der Menschen - unsere Gesundheitsressource - unser kostbarstes wirtschaftliches Gut ist, zu dem alle Minister und Ministerien beitragen müssen.

Um Menschen in einem guten Gesundheitszustand zu halten und Krankheiten vorzubeugen, brauchen wir Gesundheitskompetenz; wir brauchen Bildung; wir brauchen erschwingliches gesundes Essen; wir brauchen  öffentliche Räume, wo Menschen trainieren können; wir brauchen gesunde Arbeits-  und Lebens-bedingungen; anständige Lebensstandards. Im Gegenzug fördert dies eine gute Gesundheit, die sich auf eine produktive, arbeitende Gesellschaft auswirkt. Und natürlich müssen wir unser Augenmerk auf die Hauptrisikofaktoren aller chronischen Krankheiten richten: Tabak, Alkohol, schlechte Nahrung, fehlende körperliche Aktivität und Umweltverschmutzung. Tabak allein tötet 700 000 Menschen jedes Jahr; und übersetzt Behandlungskosten bedeutet dies  Kosten von 25 Milliarden Euro und Produktivitätsverluste von mehr als 8 Milliarden. Bis zu 7 % des EU-Gesundheitsbudgets werden für durch Übergewicht verursachte Krankheiten ausgegeben. Tausende von Menschen sterben jährlich auf den Straßen, weil sie zu viel Alkohol getrunken haben.

Das sind keine Probleme am Rande des Gesundheitssystems, es handelt sich um die zentralen gesundheitlichen, demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Es steht auch in direktem Bezug zu unseren Werten von Solidarität und Gleichheit. Da ich die Gelegenheit habe, möchte ich neben der Politik auch die Wichtigkeit von Selbsthilfegruppe und Medizinern hervorheben und sie mobilisieren die Arbeit an einer Verbesserung des Gesundheitswesens kurzfristig und langfristig zu unterstützen.


Dr. Fink-Wagner, EHFG 2015; Oktober 2015, Fotos: 2.10.2015


Von links nach rechts: Vytenis Andriukaitis, EU–Kommissar für Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit, MEP Karin Kadenbach, Antje-H. Fink-Wagner, ÖLU

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